So wird man Partner bei den Big Four

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So wird man Partner bei den Big Four

Im Juli 2020 sitzt Filiz Güney bei PwC Deutschland in Berlin in einem Meer von Blumen und Glückwunschkarten, ihre Mitarbeiter lassen per Video-Call die Korken knallen, Kunden rufen an, um zu gratulieren: Die Berlinerin mit aramäischen Wurzeln ist bei PwC Deutschland zur Partnerin ernannt worden. Sie befindet sich damit auf einer Karrierestufe, die nur wenige erreichen. Bei PwC Deutschland etwa sind nur 5 Prozent aller Firmenangehörigen Partner, bei den anderen „Big Four“-Unternehmen EY, KPMG und Deloitte sieht es ähnlich aus. Wir haben nachgefragt: Wie wird man Partner bei den Big Four? Was braucht es, um sich von der Masse abzuheben, welche Erfolge, Kompetenzen und Fähigkeiten sind entscheidend?

ERFOLGE VORWEISEN KÖNNEN

Klar ist: Wer Partner werden will, muss einen Track Record an erfolgreich absolvierten Projekten vorweisen. So hat beispielsweise Filiz Güney, studierte Mathematikerin, vor ihrem Wechsel zu PwC Deutschland fünf Jahre lang bei einem mittelständischen Beratungsunternehmen gearbeitet und dort zahlreiche Kunden im In- und Ausland bei ihren IT-Transformationsprojekten, etwa bei der Implementierung von SAP-Systemen, begleitet, darunter auch eine große deutsche Landesbank. Bei PwC Deutschland knüpfte sie hieran an und baute das Technology Consulting im Bereich Financial Services mit auf, also die Beratung rund um die Einführung von Standardsoftware im Finanzbereich für Banken, Versicherungen und Asset Manager. Ihr fachlicher Fokus: IT-Transformationsprojekte – ein Thema, das gefragt ist und mit dem sie auch im Rahmen ihres Aufstiegs punkten konnte.

ARBEITSETHIK UND OWNERSHIP

„Meine Story ist: Ich bin der Notarzt für Unternehmen“, sagt Philipp Volmer, Partner im Bereich Restructuring bei KPMG. So bringe er klar und einfach auf den Punkt wofür er stehe. Der promovierte Betriebswirt kümmert sich vom Standort Hamburg aus um ins Straucheln geratene Unternehmen, begleitet Insolvenzen und Kostensenkungsprogramme. Um beim Kunden erfolgreich zu sein, müsse man das „big picture“ verstehen und unternehmerisch denken: Womit verdient der Kunde sein Geld? Wie können wir ihn hier unterstützen? „Und es geht darum, die Verantwortung zu übernehmen und sich das Projekt wirklich zu eigen zu machen.“ Genauso wichtig sei aber auch die Fähigkeit, unternehmerisch im Sinne des eigenen Unternehmens zu denken und Verständnis für Unternehmenskultur und -Werte mitzubringen, um zum nachhaltigen Erfolg beizutragen.

DAS FACHLICHE PROFIL SCHÄRFEN

Ein Berufsexamen als Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer galt lang als Grundvoraussetzung für den Aufstieg zum Partner bei den Big Four. „In den entsprechenden Bereichen ist das immer noch so“, bestätigt Volmer. In der Beratung gehe es allerdings auch ohne; aber natürlich sei hier eine fachliche Top-Qualifikation unabdingbar, die es ständig weiterzuentwickeln gelte

NETZWERKEN

Bei der Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten, für die den Partner Track infrage kommen, spielen persönliche Empfehlungen eine große Rolle. „Man braucht Fürsprecher“, bestätigt Güney. Und: „Partner sein bedeute neben der Kompetenz, dem Kunden- und PwC-Netzwerk, das Unternehmen nach außen zu repräsentieren – und dazu muss man auch kontaktfreudig sein. Man solle, rät Volmer, jede Gelegenheit nutzen, Leute außerhalb der eigenen Abteilungen kennenzulernen, etwa durch die Mitarbeit an übergreifenden Projekten. Er verstehe Networking nicht als Selbstzweck, sondern als Chance, gemeinsame Themen zu entwickeln und auf diesem Wege auch mehr über den anderen zu erfahren. Und: „Um authentisch netzwerken zu können, müssen Sie eine echte Begeisterung ausstrahlen für das, was Sie tun.“

DIE EXTRAMEILE GEHEN

Wer Partner werden will, sollte laut Volmer bereit sein, die Extrameile zu gehen. „Mein Tipp ist, auch mal mehr zu machen als das, was einem aufgetragen wird. Bei Gelegenheit signalisieren , dass man bereit ist, Sonderaufgaben zu übernehmen, in Führungsverantwortung zu gehen, Präsentationen zu halten, statistische Analysen zu machen oder Veröffentlichungen zu verfassen.“ So signalisiere man: „Da ist einer, der mehr kann, mehr möchte, mehr investiert.“

MOBIL UND FLEXIBEL SEIN

Wer nach oben will, muss flexibel sein und auch mal umziehen. Filiz Güney etwa zog für den Job vor PwC Deutschland aus ihrer Heimatstadt Berlin nach Düsseldorf und verantwortete internationale Projekte. Philipp Volmer ging für KPMG für zwei Jahre mit Frau und Kindern nach New York und anschließend nicht zurück nach Berlin, sondern nach Hamburg, „weil dort gerade jemand gebraucht wurde“. Volmer sieht seine Mobilität als Plus an – wäre er nur an einem Standort geblieben, hätte er weit weniger Erfahrung sammeln können.

…GEDULD HABEN

Bis man in einem Big Four-Unternehmen zum Partner berufen wird, können Headhuntern zufolge zehn Jahre und mehr vergehen. Es heißt also: Geduld haben. Bei Filiz Güney vergingen acht Jahre zwischen ihrem Einstieg als Manager bei PwC Deutschland und ihrer Ernennung zur Partnerin. Entscheidende Wegmarke sei der Aufstieg zum Director – das, so Güney, sei die Eintrittskarte für den Partnertrack. Wie schnell man dann aufsteige, sei nicht nur von der eigenen Performance, sondern auch von anderen Faktoren abhängig – dem Unternehmenserfolg.

Auch bei KPMG ist der Partnertrack ein mehrjähriger Prozess aus Auswahlverfahren und anschließendem Coaching, in dessen Rahmen ausgelotet wird, ob man grundsätzlich für die Übernahme von Führungsaufgaben geeignet ist. Manchen gibt dieser Prozess, so Volmer, auch ganz unerwartete Anstöße: „Einer in meiner Jahrgangsgruppe hat realisiert, dass er nicht Partner werden, sondern beruflich etwas ganz anderes machen möchte.“

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Photo by Cristina Gottardi on Unsplash

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