Desillusion greift bei der Deutschen Bank um sich

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Deutsche Bank corporate finance

Während der Aktienkurs auf immer neue Tiefs fällt und die schlechten Nachrichten nicht abreißen, versucht die Führung der Deutschen Bank die Mitarbeitermoral aufzurichten. Ende vergangener Woche gab Konzernchef Christian Sewing zu, alle hätten die „schlechten Nachrichten satt“. Die Bank verfüge tatsächlich über gute Eigenkapitals- und Liquiditätskennzahlen.

Unterdessen stellten sich gestern die Investment Banking-Chefs für Europa und global Alasdair Warren und Garth Ritchie bei ihrer monatlichen Konferenz den Mitarbeitern. Während Sewing sich noch bemühte, das Feuer zu ersticken, fachten Warren und vor allem Ritchie es erneut an.

Die Deutsche Bank wollte zu dem Treffen der Investment Banking Division keine Stellungnahme abgeben. Teilnehmer berichten aber, dass sie anschließend noch niedergeschlagener waren als zuvor. Schlecht sei vor allem Ritchies Bemerkung angekommen, dass die Bank durchaus zu viele Mitarbeiter abbauen könne, um die Kosten zu senken. Schließlich ließen sie sich leicht wiedereinstellen. „Im Grunde hat er allen in dem Saal und in der Konferenzschaltung gesagt, dass diese Option auf jeden von uns zutreffe, wenn es nach ihm gehe“, berichtet eine Führungskraft aus dem Firmenkundengeschäft. „Eigentlich ist das schon lustig: Manager, die Millionen im Jahr verdienen, erzählen uns, die wir nur einen Bruchteil davon verdienen, dass wir entbehrlich sind. Das macht zwar vollkommen Sinn, aber es ist schon ziemlich demotivierend“, ergänzt er.

Warrens Äußerungen scheinen diesen Eindruck wenig gemildert zu haben. „Warren hat uns einfach gesagt, wir sollten weiterhin hart arbeiten“, erzählt der Banker. „Es handelt sich um die immer gleichen abgedroschenen Phrasen.“

Von dem geplanten Abbau von über 7000 Stellen werden die Investmentbanker nicht verschont bleiben. Allein 2200 davon dürften auf das Front Office entfallen. Betroffen werden nach Sewings Äußerungen vor allem Investment Banking-Teams ohne europäische Kunden sein. Die Deutsche Bank hat bereits ihr Büro in Houston geschlossen, das Öl- und Gas-Team abgebaut, diverse Stellen in Gesundheits-Teams gestrichen und eine Reihe von niederen und mittlere Mitarbeitern bis hinauf zum Vice President-Level in größeren Teams zusammengefasst. So wurden Nord- und Südeuropa ebenso zusammengelegt wie einige Branchenteams.

Falls der Zweck der Versammlung im Aufbauen der Moral bestanden haben sollte, dann scheinen Warren und Ritchie das Gegenteil erreicht zu haben. „Das erinnert mich an ein Schild mit einem Totenkopf und gekreuzten Knochen, das ich einmal in einer Eisdiele gesehen habe. Darunter stand: Die Schläge werden so lange fortgesetzt, bis die Moral steigt“, erzählt der verstimmte Banker. „Es gibt keinen Anreiz mehr, hier zu arbeiten und das Management weiß es.“

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