„IT-Mitarbeiter in Banken sind faul. Sie sollten weniger statt mehr bezahlt bekommen“

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Irgendwie bin ich im falschen Job. Als Sales-Trader wird mir ständig erzählt, meine Kompetenzen seien obsolet. Niemand braucht ein menschliches Wesen, um heute noch die Märkte zu verfolgen. Jeder will nur noch IT-Experten, die aus unerfindlichen Gründen „Engineers“ genannt werden, die programmieren können und meinen Job besser erledigen. Diese „Engineers“ klagen ständig, sie würden nicht genug Geld erhalten. „Wie kann es sein, dass heute noch Front Office-Mitarbeiter mehr verdienen als ‚Engineers‘?“, fragt so mancher. Vielleicht liegt es daran, dass wir einfach deutlich härter arbeiten.

Ich arbeite zwölf Stunden am Tag. Ich beginne um 6.30 Uhr, um mich über die asiatischen Märkte aufs Laufende zu bringen und mich auf den Tag vorzubereiten. Sobald die Märkte um 16.30 Uhr schließen, spreche ich mit Kunden und gehe noch einmal den Tag durch. Es handelt sich also keinesfalls um einen Nine-to-Five-Job.

Außerdem arbeite ich schnell. In meinem Job sind die meisten Dinge dringend. Ich bin nicht stolz darauf, ständig gestresst zu sein, aber das gehört nun einmal zur Arbeit im Handelssaal dazu. Die Märkte bewegen sich rasant.

Im IT-Team sehe ich einen ganz anderen Ansatz. Unsere IT-Mitarbeiter tauchen zwei Stunden nach mir  bei der Arbeit auf und sie gehen spätestens eine halbe Stunde vor mir. Ihre Arbeitstage laufen im Freizeitmodus ab, wobei sie viel Zeit mit dem Surfen im Internet verbringen. Sie sind immer sehr „beschäftigt“, aber ein Großteil dieser Beschäftigung besteht im Nichtstun. Sie scheinen einen anderen Zeitbegriff zu haben, in dem alles irgendwie etwas langsamer abläuft.

Die größte Überraschung lautet aber, dass die Banken sie darin zu unterstützen scheinen. Während wir gezwungen werden, immer schneller zu arbeiten, um unsere Existenz zu rechtfertigen, trägt das IT-Team Kapuzenpullis und bucht Festivaltickets während der Arbeitszeit. Das Management behandelt sie wie Kinder: Bei JP Morgan dürfen Sie sogar die Büromöbel bemalen.

Doch das Schlimmste ist ihr Überlegenheitsdünkel. Wer in der IT arbeitet, ist cool. Wer indes im Trading arbeitet, ist es längst nicht mehr. Viele dieser Leute scheinen sich für die Jobs, die sie hier erledigen, für überqualifiziert zu halten. Oder aber sie arbeiten ungern, denn ich sehe wenige Anzeichen für Selbstdisziplin oder Begeisterung.

Also sollten wir endlich aufhören, ihnen immer mehr Geld zu zahlen. Vielmehr sollten wir ihnen weniger geben und sie nur für ihre tatsächlich erbrachte Leistung entlohnen. So lief das jahrelang auch im Trading. Wem das nicht gefällt, der kann sich bei Google oder Palantirs bewerben, die sie ohnehin nicht nehmen. Falls es ihnen doch zusagt, dann können sie härter und länger arbeiten, so dass sie liefern. Vielleicht beginnen sie ebenfalls um 6.30 Uhr bei der Arbeit zu erscheinen? Dann können wir auch über Lohngleichheit sprechen.

Bei Cyril Lebrun handelt es sich um einen Pseudonym.

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