Wie ein Headhunter mein Gehalt verdoppelte – eine wahre Geschichte!

eFC logo
Headhunter double pay

Es war 2005. Damals arbeitete ich bei Lehman Brothers und war gerade erst zum Vice President befördert worden. Ich verdiente gutes Geld, mehr aber nicht. Ich arbeitete schon seit 1999 dort und ging davon aus, dass sich daran nichts ändern würde. Doch dann beschloss ich, aus meiner letzten Beförderung Kapital zu schlagen und woanders mehr zu verdienen.

2006 nahmen dann bereits ein paar Headhunter mit mir Kontakt auf. Ich hatte einige Vorstellungsgespräche. Genauer gesagt mit vier Banken, doch leider hatten die meisten kein Interesse an mir, und wer Interesse an mir zeigte, für den wollte ich nicht arbeiten. Dann erhielt ich ein Stellenangebot von JP Morgan, die mit immerhin 40 Prozent mehr Gehalt boten.

Damit wandte ich mich an meine Vorgesetzten und ließ mir eine höheres Bonuspaket zum Jahresende zusichern. Als es dann soweit war, versuchte Lehman, mich mit Zeitausgleich abzuspeisen. Schließlich hatte ich nichts Schriftliches. Das ist eines der Probleme, wenn man bei seinem Arbeitgeber bleibt: Man muss ihm vertrauen.

Im November saß ich dann im Büro eines Managing Directors. Es war kurz bevor der Freizeitausgleich stattfinden sollte und ich bekam zu hören: „Wir könnten uns vorstellen, Ihnen den Betrag XYZ zu zahlen. Was halten Sie davon?“ Doch das war weniger als ausgemacht war. Deshalb ging das Gespräch noch mehrmals hin und her. Letzten Endes einigten wir uns auf 30 Prozent. Inzwischen schrieben wir schon das Jahr 2006, und der Markt kam langsam in Bewegung.

Es war an der Zeit, die Karten neu zu mischen. Ich wandte mich an einen Headhunter, der dafür bekannt war, keine kleinen Brötchen zu backen – und genau das ist der Trick! Sie müssen sorgfältig prüfen, für wen Sie sich entscheiden – denn nicht alle Headhunter sind gleich. Wie im Bankwesen auch gibt es unter ihnen dicke Fische und nachrangige Akteure. Sie müssen sich den Besten herauspicken, um den besten Deal abzuschließen.

Deshalb wandte ich mich an einen der führenden Headhunter in ganz New York und überzeugte diesen von mir. Dies ist der andere wesentliche Faktor – Ihr Headhunter muss Feuer und Flamme für Sie sein. Headhunter sind quasi Ihr Banker und Vertriebler in einem und bestrebt, den besten Preis für Sie zu erzielen. Wenn Sie die Sache richtig angehen, bringt das auf dem entsprechenden Markt gleich ein paar Tausender mehr ein. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich dort im Büro saß und versuchte, mich so gut wie möglich zu verkaufen. Vertrauen aufzubauen ist ein sehr wichtiger Faktor.

Dann machten sich die Personalvermittler an die Arbeit, und es gingen vier bis fünf Monate ins Land. Eines Tages läutete das Telefon. „Hallo, können wir ungestört reden?” Ich stand auf. „Klar! Was gibt es denn?“ „Ich hätte da etwas für Sie.“ Wie sich herausstellte, zeigte mein absoluter Favorit, der mich schon zwei oder drei Mal abgelehnt hatte, endlich Interesse an mir. Und so begann eine Runde mit 15 Vorstellungsgesprächen. Das war ziemlich heftig. Ich wurde von Leuten in die Mangel genommen, die wesentlich ausgefuchster als ich waren.

Eines Tages rief mich deren Personalleiter an und fragte, ob wir nicht zusammen Sushi essen gehen wollten. Wir trafen uns in der Upper West Side von New York, wohin ich erst vor kurzer Zeit nach meiner Scheidung im Alter von 29 Jahren gezogen war (aber das ist eine andere Geschichte, die erzähle ich Ihnen beim nächsten Mal). Und schon drückte er mir einen braunen Umschlag in die Hand. Ich dachte insgeheim: „Wow, geben die sich aber Mühe mit einer Absage.“ Das hat ja richtig Stil! Ich öffnete ihn gleich. Darin war ein Jobangebot. Der Headhunter und ich hatten es also geschafft. Was waren wir doch für ein Traumteam. Das Angebot war doppelt so hoch wie meine Vorjahresvergütung. Da gab es nicht mehr viel zu besprechen.

Als ich dem Topmanager von Lehman Brothers davon erzählte, hatte ich das Gefühl, kurz so etwas wie Neid in seinen Augen zu sehen.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

Ähnliche Artikel

Close
Loading...
Loading...