GASTBEITRAG: Hüten Sie sich vor Bankern, die sich als Venture Capital-Experten ausgeben

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Nicht jeder ist das, als was er sich ausgibt.

Ich bin ein ehemaliger Banker, der eine IT-Firma betreibt. Wir verfügen über ein Kapital von mehreren Millionen und besitzen Büros in London und San Francisco. Ich lebe also den Start-up-Traum. Allerdings habe ich meine ehemaligen Kollegen aus dem Banking satt, die sich plötzlich als Risikokapital-Experten (Venture Capitalists) ausgeben.

Es stellt keinesfalls eine Übertreibung dar, wenn man sagt, dass Europa voll von ihnen ist. Die Mehrzahl dieser „Venture Capitalists“ bringen einen Finance-Background mit, verfügen aber über wenig Erfahrung in der praktischen Unternehmensführung.

Dies zeigt sich regelmäßig in unseren Venture Capital-Meetings, besonders wenn wir tiefer in die Materie eintauchen und es zu einer Due Diligence kommt. „Venture Capitalists“ wird häufig ein Herdenverhalten vorgeworfen. Dabei wundert mich besonders, dass viele nicht willens sind, sich ein Geschäftsmodell anzusehen, welches keine kurzfristigen regelmäßigen Erträge vorsieht.

Diese ehemaligen Banker haben einfach keine Ahnung von dem Geschäft, in das sie investieren, was sich auch rasch zeigt. Dagegen sind Risikokapitalgeber in den USA deutlich kompetenter. 90 Prozent ihrer Investitionen weisen in ihren ersten zehn Jahren eine schlechtere Performance als der S&P 500 auf. Nur das beste Viertel generiert Erträge, die für das Überleben genügen.

Dies bedeutet im Grunde: Wer schnelles Geld verdienen möchte, für den sind 90 Prozent der Risikokapitalunternehmen nicht das Richtige. Wer ein Start-up besitzt und die Lageeinschätzung, die Kontrolle und seine Optionen an die falsche Seite abgibt, findet sich rasch in einer bedrohlichen Lage wieder. Dabei hilft es auch nicht, wenn ehemalige Banker unsinnige Forderungen aufstellen wie z.B. nach Vorzugsaktien, Privilegien und Aufsichtsratssitze. Sie haben einfach keine Ahnung vom Geschäft und ich möchte Sie nicht einbeziehen.

Daher habe ich bei der Finanzierung einen großen Bogen um alle ehemaligen Banker gemacht und mich stattdessen auf wohlhabende Privatinvestoren gestützt, die entweder ein Multimillionengeschäft selbst aufgebaut und verkauft haben, einen Private Equity-Fonds verwaltet haben oder spezielle Branchenkenntnisse mitbringen, die für unsere aktuelle Situation relevant sind. Zuerst habe ich mich gefragt, wie mir Private Equity helfen könnte, doch tatsächlich tätigen diese Leute hunderte von Investments und können wirklich zu einem Turnaround dieser Geschäfte beitragen. Die Erfahrungen mit Geschäftsmodellen und wie sie in verschiedenen Marktphasen funktionieren ist für junge IT-Unternehmen unglaublich wichtig, die ihre Produkte auf den Markt bringen wollen.

Ich hoffe, dass unser Unternehmen dabei erfolgreich sein wird. Wir benötigen Energie, Ehrgeiz und Intelligenz sowie Erfahrung, um Fehler zu vermeiden, und um Chancen zu identifizieren und zu nutzen. Besonders die letzteren Punkte sollten meine Investoren und deren Führungsmannschaft beisteuern. Banker bringen diese Fähigkeiten allerdings selten mit.

Bei Matthias Fournier handelt es sich um ein Pseudonym eines ehemaligen Bankers, der sich mit einem IT-Unternehmen selbständig gemacht hat.

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