Deutsche Bank kürzt Vergünstigungen: Londoner Banker erkennen die Vorzüge Frankfurts

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Deutsche Bank kürzt Vergünstigungen: Londoner Banker erkennen die Vorzüge Frankfurts

Im Juli vor der Deutschen Bank in London. Foto: Tristan Bejawn, copyright eFinancialCareers

Angelsächsische Investmentbanker bekommen jetzt zu spüren, welche Vorteile die deutsche Mitbestimmung mit sich bringt. So hat die Deutsche Bank laut der Financial Times in London (FT) und anderswo untersagt, Resturlaub ins kommende Jahr zu übertragen.

Darüber hinaus sollen die Extrazahlungen für zehn, 25 und 40 Jahre Betriebszugehörigkeit wegfallen. So hat es in London laut der FT nach zehn Jahren 750 Pfund extra gegeben.

Für Verärgerung bei den Londoner Investmentbankern des Konzerns habe gesorgt, dass diese Regelungen für Mitarbeiter, die der deutschen Mitbestimmung unterliegen, nicht angewendet werden (können). Erst jetzt scheinen einige Brexit-Banker festzustellen, welche Vorteile der Standort Frankfurt für sie hat.

So hat die Bank zu Jahresbeginn mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung geschlossen, wonach Führungskräfte fünf und normale Beschäftige sogar zehn Tage Resturlaub ins Folgejahr übertragen können.

Anders als in London, wo die Mitbestimmung unbekannt ist, kann ein deutscher Arbeitgeber sich nicht einfach über eine solche Betriebsvereinbarung hinwegsetzen. Allerdings kann die Bank sehr wohl eine solche Vereinbarung kündigen, ob dies in Deutschland geschehe, sei indes noch unklar, hieß es im Handelsblatt.

Auch bei den Prämien für die Betriebszugehörigkeit kommen deutsche Mitarbeiter besser als englische weg. Denn anscheinend sind diese Regelungen Teil der deutschen Arbeitsverträge, die die Bank nicht so einfach nachträglich ändern kann. Allerdings will die Bank laut dem Handelsblatt ab Oktober in den neuen Arbeitsverträgen auf diese Prämien verzichten.

Die Posse um die vergleichsweise geringen Summen belegt, wie deutsche Arbeitnehmer im Krisenfall besser geschützt sind als ihre angelsächsischen Kollegen. Vielleicht wird dies dem ein oder anderen Londoner Banker den Umzug nach Frankfurt versüßen.

Dies stellt keinen Einzelfall dar. Im Juli mussten die angelsächsischen Banker feststellen, dass auch beim Arbeitsplatzabbau die deutschen Kollegen deutlich besser gestellt sind als z.B. in London. So hat Konzernchef Christian Sewing bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen verkündet, dass 900 Mitarbeiter bereits vom Wegfall ihres Arbeitsplatzes informiert wurden.

Auch das dürfte in Deutschland deutlich länger dauern. So muss erst mit dem Betriebsrat verhandelt und ein Sozialplan aufgestellt werden. Alles Dinge, von denen Londoner Banker nur träumen können. Es sei denn, sie ziehen nach Frankfurt um.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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