GASTKOMMENTAR: Was Praktikanten unternehmen können, die ein Übernahmeangebot erhalten

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GASTKOMMENTAR: Was Praktikanten unternehmen können, die ein Übernahmeangebot erhalten

Im Laufe des Augusts oder etwas später nähern sich die Sommerpraktika der Investmentbanken ihrem Ende. Nach Monaten und manchmal sogar Jahren der Vorbereitung auf diese etwa zehnwöchige Periode, scheint diese Zeit wie verflogen zu sein. Doch jetzt steht die Entscheidung an: zunächst für die Arbeitgeber und dann für die Praktikanten selbst.

In den Konferenzräumen von Manhattan über die City of London und Hongkong bis nach Frankfurt treffen sich jetzt die Hiring Manager und andere Verantwortliche, um die Sommerpraktikanten des Jahrgangs 2019 zu beurteilen. Traditionell erhalten etwa 70 Prozent der Teilnehmer ein Angebot, im nächsten Jahr als Vollzeitanalysten anzufangen.

Für viele Teilnehmer geht damit ein Traum in Erfüllung. Doch manche stehen mit einem solchen Angebot vor einem neuen Problem: Handelt es sich um den Job, den sie wirklich wollen?

Wer selbst vor dieser Frage steht, sollte folgende Punkte beachten:

1. Erstklassige Arbeitgeber schätzen es immer, wenn die besten Kandidaten zwischen unterschiedlichen Angeboten auswählen können. Sie respektieren Ihr gutes Recht, sich vor der Entscheidung anderswo umzuschauen.

2. Der Brief mit dem Angebot enthält höchstwahrscheinlich ein Datum, bis wann Sie sich entscheiden müssen. Obgleich sich das nicht so anhört, lässt sich der Termin normalerweise verhandeln. Wenn Sie einen guten Grund für etwas mehr Entscheidungszeit haben, dann sind die Banken normalerweise dazu bereit. Sie sollten Ihren Denkprozess ganz offen schildern: „Ich freue mich über Ihr Angebot. Doch es gibt eine Reihe anderer Chancen, die ich vor meiner Entscheidung überdenken möchte. Meine Entscheidung sollte bis… stehen.“

3. Kein Unternehmen, das ich kenne, und für das Sie arbeiten wollen, vergibt Angebote leichtfertig. Dies bedeutet jedoch auch, dass sie nicht leichtfertig zurückgezogen werden. Wer diese Angelegenheit professionell, vernünftig und respektvoll behandelt, bekommt etwas mehr Flexibilität.

4. Dabei ist die Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Wer für einen bestimmten Zeitpunkt ein Update verspricht, der sollte sich dann auch melden. Falls sich zwischenzeitlich der Arbeitgeber bei Ihnen meldet, dann sollten Sie auch antworten. Wer abtaucht, nährt Misstrauen.

5. Umgekehrt sollte jeder, der sich anderswo bewirbt, in seinem Lebenslauf aufnehmen, dass ihm ein anderes Angebot vorliegt. Für potenzielle Arbeitgeber, die wissen, wie die Einstellungsprozesse im Investment Banking laufen, stellt dies eine wichtige Information dar. Da die meisten Praktikanten ein Übernahmeangebot annehmen, wird ein alternativer Arbeitgeber normalerweise denken, dass Sie kein solches Angebot erhalten haben.

6. Wer die Annahme des erhaltenen Angebots ernsthaft in Betrachtung zieht, sollte die Fristen beachten. Auch wenn man gegenteiliges hört, handelt es sich bei Hiring Managern auch nur um Menschen. Sie haben sich gefreut, Ihnen ein Angebot zu unterbreiten. Niemand geht gerne zu einem Date, wenn dieses sich drei Monate nach einer besseren Partie umgesehen hat.

Doch am Ende handelt es sich um ein Luxusproblem. Wer die Entscheidungsfindung vorsichtig angeht, sollte dadurch keine Nachteile erleiden.

Jonathan Jones war früher Head of Investment Talent Development bei Point 72 Asset Management. Vorher hat er im Recruitment von Blackrock und Goldman Sachs gearbeitet.

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