Zürcher Dilettantenstadl und wie Banken Detektive korrekt einsetzen

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Zürcher Dilettantenstadl und wie Banken Detektive korrekt einsetzen

Photo by Dmitry Ratushny on Unsplash

Der ach so diskrete Finanzplatz Zürich ist um eine Affäre reicher. Kürzlich hat der Chef des Credit Suisse-Wealth Managements Iqbal Khan bei seinem Arbeitgeber abgemustert, um nur wenig später zum 1. Oktober in gleicher Funktion beim Erzrivalen UBS anzuheuern. Erstaunlicherweise scheint eine längere Konkurrenzausschlussklausel – sonst branchenüblich – bei Khan unterblieben zu sein.

Der Abgang scheint die Credit Suisse derart gestört zu haben, dass die Bank Khan durch Detektive beschatten ließ. Dummerweise hat Khan die drei Detektive erkannt und ihr Auto samt Kennzeichen fotografiert und anschließend bei der Polizei angezeigt, die wiederum das Trio offenbar in flagranti ertappte. Nun rätseln einige am Finanzplatz, ob sich Credit Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam noch lange halten lasse.

Laut Manfred Lotze, Chef der Wirtschaftsdetektei Kocks in Düsseldorf, handle es sich um einen besonders unglücklichen Fall. „Es gilt das Prinzip: Sicherheit vor Ergebnis“, betont Lotze. Bei der Verfolgung nicht erkannt zu werden, sei also wichtiger als Ergebnisse zu erzielen. Um nicht erkannt zu werden, gebe es eine ganze Reihe an erprobten Verfahren. „Das reicht vom Austausch von Personal bis zum Wechsel von Fahrzeugen. Außerdem muss man Distanz halten“, erläutert Lotze. Zu dem konkreten Fall in Zürich wollte sich Lotze aufgrund mangelnder Detailkenntnisse nicht äußern.

Lotze empfiehlt Unternehmen, auf Qualifikation und Seriosität der Detekteien zu achten. „So sollten die Detektive Mitglieder in einem der Branchenverbände sein“, sagt Lotze. Dazu zählt der Experte beispielsweise den Bundesverband Deutscher Detektive (BDD), den Bund Internationaler Detektive (BID) und die World Association of Detectives (WAD). „Zum Beitritt des WAD müssen Sie z.B. zwei Bürgen vorweisen können“, sagt Lotze.

Unterdessen arbeitet auch Lotze für Banken und Sparkassen. „Die engagieren uns aber erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, erzählt Lotze. Ein klassischer Fall sei der Mitarbeiter einer Postabteilung einer Bank, der aus den Retouren erst die PIN und dann die Karte herausfischt und damit dann Geld abgehoben hat. „Wir werden dann engagiert, um Beweise zu beschaffen“, sagt Lotze. Ein anderes Beispiel sei es Leute aufzuspüren, die von außen illegal Gelder von einer Bank abbuchen.

Anders als viele Branchen würden Banken und Sparkassen präventiv keine Dienstleistungen der Wirtschaftsdetektei Kocks beanspruchen. „Der genannte Mitarbeiter der Postabteilung kann also bei einer anderen Bank anfangen und die gleiche Methode noch einmal anwenden“, warnt Lotze. Solche Leute ließen sich vorab durch einen Background-Check ausschließen. Dagegen würden andere Unternehmen regelmäßig Bewerber überprüfen lassen. „Wir haben mit einigen Unternehmen sogar Rahmenverträge“, versichert Lotze.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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