Österreich: Ein ehemaliger Banker an der Spitze des Gesundheitssystems

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Österreich: Ein ehemaliger Banker an der Spitze des Gesundheitssystems

Nach 19 Jahren im Bankwesen wurde Martin Brunninger abgeworben. Nicht von einer anderen Bank, sondern von einer Institution der öffentlichen Hand: Im Juli 2019 übernahm er die Leitung des Dachverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Die Aufgabe ist groß – das gilt umso mehr in Zeiten, in denen ein Virus mit relativ hoher Mortalitätsrate sich weltweit ausbreitet. „Man ist an mich herangetreten“, sagt Brunninger, dessen offizieller Titel nun „Büroleiter des Dachverbands der Sozialversicherungsträger“ lautet. Der Verband vereint unter seinem Dach die Kranken- und Sozialversicherungskassen von 8,5 Millionen Österreichern. Brunninger, der zuvor ein Team von 20 Bankern geführt hatte, hat nun 350 Mitarbeiter unter sich und steht an der Spitze einer Organisation mit 20.000 Menschen.

Brunningers Wechsel ist für einen Banker eher untypisch, und dennoch haben ihn seine zwei Jahrzehnte im Bankwesen und sein akademischer Hintergrund gut vorbereitet für sein neues „Abenteuer“. „Ich habe an der London School of Economics einen Master in Gesundheitsökonomie erworben“, sagt Brunninger, der anschließend als Investmentbanker im Bereich Healthcare tätig war. Nach Stationen bei Lehman, ABN AMRO, J.P. Morgan und Nomura war er als „Managing Director Healthcare Equity Research“ zu Jefferies gegangen. In einem nächsten Schritt hatte er Goetzpartners Securities gegründet, eine auf den Gesundheitssektor spezialisierte Mid-Market-Boutique.

In seiner neuen Position verantwortet Brunninger im Auftrag der österreichischen Regierung die Reform des dortigen Gesundheitssystems. „Wir hatten eine sehr kleinteilige Landschaft von insgesamt 21 Kassen, die wir zu fünf größeren Organisationen verschmolzen haben“, sagt er. Die fünf neuen Kassen sind im Dachverband der Sozialversicherungsträger zusammengeschlossen. „Wir haben Kosten und Leistungen rationalisiert“, sagt Brunninger. „Angefangen von den angebotenen Leistungen bis hin zur Frage, nach welchen Kriterien medizinische Hilfsmittel und Medikamente bewertet und deren Kosten erstattet werden.“

Die Aufgabe ist komplex – und dies gilt ganz unabhängig vom Ausbruch des Coronavirus. Und doch sagt Brunninger, dass sie eine schöne Abwechslung zum Bankwesen sei. „Ich gestalte und restrukturiere das gesamte staatliche Gesundheitssystem. Das ist eine deutlich wichtigere und lohnendere Aufgabe als im Bankwesen zu arbeiten.“ Natürlich sei das Gehalt „ein anderes“, fügt er hinzu, doch das Gefühl, etwas Erfüllendes zu tun, machten die finanziellen Einbußen wett. Die Prozesse seien längerfristig und langwieriger, die Menschen zugänglicher. „Die Aufgaben hier sind ganz klar definiert, es geht um große Strategien und darum, diese langsam umzusetzen“, sagt Brunninger. „Im Banking steht jeden Tag ein neues Projekt an, und das tägliche Management der Leute ist schwieriger.“

Brunninger möchte anderen Bankern Mut machen, ebenfalls auf Positionen im öffentlichen Sektor zu wechseln. „Ich kann es nur empfehlen“, sagt er. „Als Banker im Gesundheitssektor waren staatliche Stellen stets der größte Kunde und es ist toll, den Kunden jetzt von innen kennenzulernen.“ Eine ähnliche Dynamik sieht er auch in anderen Branchen, etwa bei Öl, Gas, Infrastruktur oder im Bauwesen. Man sollte allerdings erst einige Jahre Erfahrung im Bankwesen sammeln, denn: Als junger Kollege könne man noch nicht viel beitragen.

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