Stellenabbau infolge von Corona: Demnächst auch bei Ihrer Bank?

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Stellenabbau infolge von Corona: Demnächst auch bei Ihrer Bank?

Wird es infolge des Coronavirus und des gestrigen Börseneinbruchs zu Stellenstreichungen bei Banken kommen? Hier könnte man ebenso gut fragen, ob der Himmel blau ist. Denn: In den letzten zwei Jahrzehnten hat jeder Markteinbruch im Finanzsektor Jobs gekostet – es ist lediglich eine Frage der Zeit.

In den späten 1990er-Jahren kam es beispielsweise zur Finanzkrise in Asien, die im Juli 1997 begann und sich bis Dezember 1998 hinzog. Im dritten Quartal 1998 berichtete Merrill Lynch 900 Millionen $ Verlust im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Im Oktober 1998 wurde dann verkündet, man wolle 3.400 Stellen streichen, 5 Prozent der Belegschaft.

Auch wenn einem im Zusammenhang mit der Asien-Krise vor allem die Kürzungen bei Merril Lynch einfallen, so waren diese keineswegs die einzigen. Kleine Banken und Boutiquen sind Entwicklungen dieser Art noch schutzloser ausgeliefert als große: So musste etwa Peregrine Investments Holdings Ltd., einst mit 1.700 Mitarbeitern eine der größten Investmentbanken Asiens, im Dezember 1998 liquidiert werden, nachdem Darlehen an Indonesien nicht mehr bedient werden konnten.

Einige Jahre später, zwischen März 2000 und Oktober 2002, platzte Dotcom-Blase. Der Nasdaq, der am 10. März 2000 einen Höchstwert erreicht hatte, hatte bereits im April 34 Prozent seines Wertes verloren. Im Mai 2001 strich Goldman Sachs 12 Prozent seiner Stellen im Investmentbanking. Im Juli 2001 kündigte man einem Drittel aller Mitarbeiter im Personal-Bereich. Morgan Stanley kündigte im April 2001 an, 1.500 Mitarbeiter zu entlassen. Merril Lynch strich im ersten Quartal 2003 1.300 Stellen. Und Credit Suisse First Boston (der Investmentbanking-Arm der Credit Suisse) verkleinerte seine Belegschaft zwischen 2001 und 2003 um nicht weniger als 23 Prozent.

Noch nicht allzu lange zurück liegt die letzte große Finanzkrise, die im dritten Quartal 2007 ihren Anfang nahm und bis zum ersten Quartal 2009 andauerte. Damals begannen die großen Entlassungswellen im November und Dezember 2008. Im November kündigte Citi an, 50.000 Stellen zu streichen. Im Dezember erklärte Bank of America, man wolle sich nach der Übernahme von Merril Lynch von 30.000 Mitarbeitern trennen. Credit Suisse kündigte den Abbau von 5.300 Stellen an und Nomura gab an, 1.000 Mitarbeiter zu entlassen.

Wird es wieder zum Abbau von Stellen kommen? Die aktuelle Situation ist natürlich noch nicht vorbei. Vom heutigen Börsenaufschwung, oder der Äußerung des Deutsche-Bank-Strategen Jim Reid, dass zeitweilige Panik an Finanzmärkten Teil des Systems sei, sollte man sich nicht blenden lassen. Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach Folgen geben, nicht zuletzt bei den Banken, die bereits Kürzungen planen und nur geringe Margen haben. Zudem lassen die Maßnahmen im Umgang mit dem Virus die Kosten zusätzlich steigen. Analysten der UBS erklärten heute, dass europäische Aktien seit ihrem Höchststand vom 10. Februar um 21 Prozent nachgegeben hätten: „Dies ist einer der größten Kurseinbrüche der letzten 30 Jahre außerhalb eines anhaltenden Bärenmarktes, und er hat in der Hälfte der üblichen Zeit stattgefunden.“

Das untenstehende Schaubild (Quelle: Office of the New York State Comptroller) zeigt dass der Stellenabbau im Investmentbanking rund 6 bis 12 Monate nach den Marktverwerfungen beginnt. Kürzungen sind wahrscheinlich, werden jedoch noch nicht umgehend erfolgen.

Wenn es zu Kürzungen kommt, werden die Banken das Rennen machen, die am effizientesten sind. Die Branchenkenner von Tricumen bewerten Wells Fargo, JPMorgan und Goldman Sachs als die effizientesten Unternehmen in den Bereichen M&A, ECM und DCM. Im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren sieht Tricumen JPMorgan, Wells Fargo und Citi vorn. Im Aktienhandel werden Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America als Spitzenreiter in Sachen Effizienz gesehen (wobei Effizienz definiert ist als „generierte Einnahmen pro Vollzeit-Frontoffice-Angestelltem“). In den genannten Unternehmen dürfte die Lage im kommenden Jahr am besten sein – wer dort arbeitet, sollte versuchen, zu bleiben.

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