FICC-Trader der Deutschen Bank lassen US-Konkurrenz weit hinter sich

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FICC-Trader der Deutschen Bank lassen US-Konkurrenz weit hinter sich

In den Q3-Ergebnissen der Deutschen Bank befindet sich eine Zahl, die ins Auge sticht: 1,8 Mrd. €, die im Trading mit Fixed Income, Currency and Commodities (FICC) verdient wurden. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum sind das 47 Prozent mehr (und damit gleichviel wie bei Goldman Sachs – bei der Citibank waren es 18 Prozent, bei JP Morgan 29 Prozent mehr). Was allerdings noch mehr überrascht ist, dass die Einnahmen im Vergleich zum Q2 nur um 10 Prozent zurückgegangen sind – das ist angesichts der üblichen Branchenschwankungen und des sehr guten zweiten Quartals tatsächlich außergewöhnlich. Ein noch besseres drittes Quartal hatte gab es im FICC der Deutschen Bank zuletzt 2012 – in jedem Jahr also, als „Call Me Maybe in den Charts war.

Seit den Zeiten von „Gangnam Style“ haben sich die Branche und auch das Geschäft der Deutschen Bank enorm verändert (die Pro-Kopf-Vergütung pro Jahr war damals fast doppelt so hoch wie aktuell – auch wenn dieser Vergleich aufgrund der neuen Abteilungs- und Kostenverteilungsstruktur nicht wirklich aussagekräftig ist).

Die Deutsche Bank hat ihr Aktiengeschäft aufgegeben, mit dem einige Banken gut verdient haben. Das ECM-Geschäft scheint allerdings nicht zu sehr gelitten zu haben – die Erträge im Bereich Origination stiegen gegenüber dem 3. Quartal 2019 um 153 Prozent und um 130 Prozent im Hinblick auf das Gesamtjahr. Sie sind damit weit überdurchschnittlich und vergleichbar mit den Ergebnissen der besten US-Banken (Goldman Sachs und Bank of America). Im Bereich M&A geht es bei der Deutschen Bank – wie auch in anderen Banken – weiterhin eher ruhig zu: Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Erträge um 39 Prozent zurück.

Wie sich diese Performance am Ende auf die Boni auswirkt, wird nicht ganz einfach zu bewerten sein. In der Telefonkonferenz ließ CFO James von Moltke allerdings eine Bemerkung fallen, wonach man durch die „deutlich höhere Erträge auch höhere Vergütungskosten“ habe – bei JPMorgan und Goldman Sachs waren hier völlig andere Signale wahrzunehmen.

Der Blick auf die nackten Zahlen zeigt, dass die Vergütungen im Investmentbanking in Q3 um 12 Prozent höher als im vorherigen Quartal und um 5 Prozent höher als im 3. Quartal 2019 waren. Etwas merkwürdig mutet der Blick auf die Zuweisung von Infrastrukturkosten an: Im dritten Quartal wies die Investmentbank der Deutschen Bank 586 Vollzeit-Äquivalente mehr auf, was einem Personalzuwachs von 4 Prozent entspräche.

Man könnte nun darüber spekulieren, was hätte passieren können – die Global Transaction Bank, die im Umstrukturierungsplan eine so prominente Rolle eingenommen hatte, tut sich schwer angesichts von Niedrigzinsen und geringerer Kundenaktivität im Cash Management. Und sicherlich muss sich Christian Sewing gelegentlich fragen, ob man den Aktienhandel nicht doch noch ein paar Quartale länger aufrechterhalten hätte sollen.

Doch es gibt eine winzige Zahl, gut versteckt auf Seite 11 der Präsentation, die möglicherweise mehr offenbart als die große Überschrift. Die Deutsche Bank hat einen kleinen, aber beträchtlichen Gewinn aus „niedrigeren operationellen Risiken bei risikogewichteten Vermögenswerten aufgrund einer Aktualisierung von internen Verlustprofilen“ erzielt. Das bezieht sich im Grunde genommen darauf, dass Einbußen durch behördlich verhängte Geldbußen langsam an Wichtigkeit verlieren. Langsam aber sicher scheint die Deutsche Bank die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Photo by cmophoto.net on Unsplash

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