Meine Investmentbanking-Mentorin war Soziopathin

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Meine Investmentbanking-Mentorin war Soziopathin

Ich stehe kurz vor Abschluss meines Studiums und möchte von einer Begegnung berichten, die ich mit einer Managing Director einer führenden Bank an der Wall Street in New York hatte. Sie hatte angeboten, mich als Mentorin zu begleiten. Ich möchte andere warnen, damit sie nicht das gleiche erleben.

Ich falle in die „Diversity”-Kategorie und lernte sie kennen bei einem Diversity-Event, das in meinem ersten Jahr an der Uni stattfand. Sie ist über zehn Jahre älter als ich und eine unglaublich erfolgreiche Bankerin – ich hingegen war nur eine Studentin, die den Einstieg suchte. Und dennoch verstanden wir uns auf Anhieb gut. Wenn ich am Schreibtisch saß, stand sie hinter mir und lehnte sich über mich, um meinen Bildschirm besser zu sehen – all das war vor Corona. Wir hatten einiges gemeinsam: Wir kamen beide aus Familien, in denen niemand anderes im Banking war und wir hatten uns beide extrem ins Zeug legen müssen, um dort hinzukommen, wo wir hinwollten. Sie bot an, mich als Mentorin zu begleiten und mich in meiner Karriere zu unterstützen.

Wir trafen uns zunächst alle zwei Wochen, entweder persönlich oder über Zoom. Sie gab mir Tipps zu allem möglichen – zu meinem Aussehen, zu meiner Körperhaltung. Sie sagte mir, wie ich mich ausdrücken sollte, was ich anziehen, essen und mir im Fernsehen anschauen sollte. Sie sagte, dass sie mir helfen könne, mehr aus mir zu machen. Ich genoss die Aufmerksamkeit und sie schien mir diese gern zu geben.

Ich gab ihr meine Telefonnummer und wir schrieben uns Nachrichten auf WhatsApp. Sie reagierte auf meine Status-Updates und beendete ihre Nachrichten mit Herz-Emoji.

Als ich auf der Suche nach einem Praktikum war, wollte sie mich in ihr Team holen. Ich war unsicher: Sie ist ein MD im front office und ich wusste noch nicht, ob ich in diesen Bereich gehen wollte. Trotz meiner Zweifel ließ ich mich von ihr überzeugen. Ich bewarb mich, wurde genommen und sollte im Sommer ein virtuelles Praktikum in ihrer Abteilung in New York absolvieren. Sie schrieb mir, dass ich zu ihr ins Team kommen solle.

Ich war allerdings noch immer unsicher und erklärte der Personalabteilung, dass ich einfach nicht überzeugt davon sei, dass es der richtige Bereich für mich ist. Kurz darauf klingelte mein Telefon und sie schrie mich an, dass ich bei ihr arbeiten wollte und es mir endlich eingestehen sollte. Ich versuchte ihr meine Gründe verständlich zu machen und sagte, dass ich hoffe, dass wir weiterhin befreundet sein können. Doch sie brach den Kontakt ab – und zwar nicht nur sie, sondern auch die Personalabteilung. Meine E-Mails wurden nicht mehr beantwortet, ich bekam kein Angebot für ein Praktikum in einem anderen Bereich. Sie hatte der Personalabteilung gesagt, dass ich eine Stalkerin sei – daraufhin erhielt ich eine E-Mail, in der ich aufgefordert wurde, sie nie wieder zu kontaktieren. Auch die Diversity-Organisation, bei der ich mich engagiere, wurde angeschrieben und brach den Kontakt zu mir ab. Aber ich habe nichts falsch gemacht: Sie hatte angeboten, meine Mentorin zu sein und hatte in unserer Beziehung stets den Ton angegeben.

Ich werde mich natürlich nicht mehr bei ihr melden, aber das Erlebnis ist hat mich sehr mitgenommen und verwirrt. Ich möchte immer noch ins Banking, aber nicht, wenn alle Leute dort so sind. Ich habe das Gefühl, manipuliert worden zu sein – sie tat sie, als wollte sie das Beste aus mir herausholen, war aber eigentlich nur darauf aus, eine wehrlose Studentin für ihre Machtspiele zu missbrauchen. Haben andere ähnliche Erfahrungen gemacht? Wenn ja, schreibt es in die Kommentare.

Oba Shadare ist ein Pseudonym 

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