28-Jährige, die für 450.000 $ nicht arbeiten wollen, bekommen 550.000 $

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28-Jährige, die für 450.000 $ nicht arbeiten wollen, bekommen 550.000 $

Wenn man sein Gehaltspaket verbessern will, ist es auf lange Sicht vielleicht nicht die beste Strategie, es ist vielleicht nicht idiotensicher und besonders würdevoll ist es schon gar nicht – und doch: Die althergebrachte Jammer-Masche ist sicherlich ein Instrument und sie kann – wenn das Timing stimmt – durchaus funktionieren. Berichten zufolge werden Mitarbeitenden des Private-Equity-Fonds Apollo Global Management rund 200.000 $ zusätzlich als Sonderbonus angeboten, sofern sie sich verpflichten, mindestens bis September 2022 im Unternehmen zu bleiben.

Wie Business Insider berichtet, bietet Apollo seinen First-Year-, Second-Year- und Third-Year-Associates Prämien in Höhe von 100.000, 150.000 bzw. 200.000 $ an. Vorausgegangen war, dass innerhalb von drei Monaten sieben der 30 Associates bei Apollo in New York gekündigt hatten – als Gründe wurden 20-Stunden-Tage und einsames Arbeiten bis 3 Uhr morgens genannt.

Die Abgänge der Apollo-Angestellten scheinen nicht an der mangelnden Vergütung gelegen zu haben. Ein ehemaliger Mitarbeiter erklärte gegenüber Business Insider, ihm sei klar geworden, dass der Lebensstil einfach zu toxisch sei: „Ich dachte mir, ich will meine Zeit nicht mit sowas verbringen. Es ist mir egal, wie viel ihr mir bezahlt.“ Und dennoch scheint das Unternehmen unter dem neuen CEO Marc Rowan die Vergütung verdoppelt zu haben: First-Year-Associates, die zuvor 450.000 $ bekamen, erhalten jetzt 550.000 $.

Mit den Gehaltserhöhungen scheint sich auch der Ton zu ändern. Letzte Woche noch hatten Apollo-Obere gewettert, dass „einige derjenigen, die gekündigt haben, ohnehin Minderleister“ gewesen seien. Zudem präsentierte man krude Berechnungen, die belegen sollten, dass die Fluktuation nicht außergewöhnlich war. Nun scheint man sich die Sache näher angeschaut und bemerkt zu haben, dass es tatsächlich ein Problem gibt und man Gefahr läuft, Leute zu verlieren, die man halten will.

Insidern zufolge wurden die Prämien Geld nicht allen Mitarbeitenden angeboten – oder zumindest noch nicht. Das könnte bedeuten, dass sich das Unternehmen auf jene konzentriert, die man halten will, oder aber, dass das Programm schrittweise ausgerollt wird. Dem Vernehmen nach führen Matt Nord und David Sambur, die Co-Heads des Private Equity, die Telefonate persönlich durch. Gut möglich, dass sie die Gelegenheit nutzen und ein „Wir kümmern uns wirklich“-Gespräch führen. Zuvor hatte es den Anschein, dass das Problem weniger mit physischen Beschwerden zu tun hatte, sondern dass bei den Mitarbeitenden zunehmend der Eindruck entstanden war, dass respektlos mit ihrer Zeit umgegangen wurde.

Und doch ist es interessant, dass Apollo das Problem mit Geld zu lösen versucht und nicht etwa mit der Aussicht, freie Wochenenden zu respektieren oder die Pitch Books zu kürzen oder auch durch Peloton Bikes oder spezielle Achtsamkeits-Podcasts. Aus dem Vorgehen lässt sich einiges herauslesen: Am offensichtlichsten ist, dass es pures Muskelspiel ist. Es ist eine Sache, zu schwärmen, wie toll das Geschäft läuft und begeisterte Interviews über das Geschäftsvolumen zu geben, aber es ist eine andere Sache, Probleme mit dem Unternehmensnachwuchs zu lösen, indem man ihnen ein paar Millionen Dollar hinterherwirft. Letzteres ist ein wesentlich glaubwürdigeres Signal.

Das Vorgehen setzt auch andere Private-Equity-Unternehmen unter Druck, bei denen möglicherweise deutlich mehr Associates arbeiten und die Aktionären gegenüber versprochen haben, ihre Kosten zu senken. Seit Bekanntgabe der Bonuspools für 2020 herrscht in der Branche eine gewisse Anspannung: Da sind die CEOs, die branchenweit behaupten, das Geschäft laufe besser als je zuvor, und sich dann umdrehen und sagen, dass die Boni leider mittelmäßig ausfallen. Wenn Apollo sich nun freigiebig gibt, sollte man dann in den Q1-Bilanzen Ausschau nach großzügigeren Kostenrückstellungen halten?

Bei allem geht es aber um die Botschaft, die die Prämie aussendet. Diese Botschaft lautet, dass die Klagen über Schlafmangel, respektlose Chefs und fehlende Zeit mit der Familie reine Show waren. Denn: Wenn man sich mit Ende 20 für einen hohen sechsstelligen Betrag freikaufen lässt, hat man seine Wahl getroffen und da bringt es wenig, zehn Jahre später wieder über Work-Life-Balance oder ESG-Prinzipien zu reden: Es wird klar sein, dass das Trostpflaster dann einfach ein siebenstelliger Betrag ist. Alle, die eine der begehrten Stellen in der Finanzwelt ergattert haben, sind einen Pakt mit dem Teufel eingegangen und Apollo zahlt die Prämien hauptsächlich, um daran zu erinnern, dass in diesem Pakt kein Mechanismus enthalten ist, mit dem man seine Seele zurückbekommt.

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