„Zählt es als sexuelle Belästigung, wenn ich sie anfasse?“

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„Zählt es als sexuelle Belästigung, wenn ich sie anfasse?“

Den Namen Essma Bengabsia sollte man sich merken – und man sollte ihr Beifall zollen für ihren Mut, die sexuelle Belästigung öffentlich zu machen, die sie erlebt hat und die ihr ehemaliger Arbeitgeber bestreitet.

Bengasbia ist eine „Hijab-tragende arabisch-amerikanische, muslimische Woman of Color“, die im letzten Monat in einem Post auf Medium die Schikane geschildert hat, die sie als Mitarbeiterin bei einem der größten Anlage-Management-Unternehmen der Welt in den Jahren 2018/2019 erlebt hat.

Der Bericht ist harte Kost. Bengasbia schreibt über einen Kollegen, der in Hörweite zu ihr stand und einem anderen erklärte, dass „die im Nahen Osten Leute steinigen“. Ein anderer fragte: „Was machen die dort in ihrer Freizeit? Party in der Wüste?” Von einem anderen Kollegen sei sie regelmäßig mit den Worten begrüßt worden: „Du bist total am Ende“ und „Ich hoffe, Du scheiterst“. Sie sagt, ein männlicher Kollege sei von hinten in sie hineingelaufen und habe dabei um ein Haar ihren Schreibtisch mitsamt dem Computer herunter geschmissen und sagte dann: „Ich vergesse immer, dass ich zehn Jahre älter bin als sie.“ Am schlimmsten aber sei gewesen, wie eben dieser Kollege hinter ihr gestanden habe, umringt von anderen Kollegen, und sagte: „Soll ich es tun? Soll ich sie anfassen? Zählt es als sexuelle Belästigung, wenn ich sie anfasse?“ Er sei dazu vermutlich von einer weiblichen Kollegin angestachelt worden.

Bengasbia hat ein Jahr lang gewartet, bevor sie ihren Post verfasst hat. Der betroffene Fonds streitet die Anschuldigungen ab. In einer schriftlichen Erklärung erklärt ein Unternehmenssprecher, dass sie im Sommer 2017 ein Praktikum absolviert und im Juli 2018 eine Festanstellung angeboten bekommen habe. „Kurz vor ihrer Kündigung im Mai 2019 erhob sie den Vorwurf, diskriminiert und schikaniert zu werden. Das Unternehmen ging den Vorwürfen nach, konnte aber nicht feststellen, dass sie Opfer von Diskriminierung oder Schikane geworden war.“ Er erklärte, der Fonds habe „in der Vergangenheit auf Fehlverhalten von Mitarbeitenden reagiert und tut dies auch weiterhin, wo und wenn es notwendig ist, um so ein von Inklusion geprägtes Arbeitsumfeld aufrecht zu erhalten.“

Weiterhin ließ der Fonds verlautbaren, man wisse um „die systemischen Herausforderungen, mit denen Angehörige unterrepräsentierter Gruppen in ihrer Berufslaufbahn konfrontiert“ seien und dass man mit Nachdruck für „gleichheits- und inklusionsorientierte Praktiken bei Führungskräften“ eintrete. Es gäbe Diversity-Ziele, man sei dabei, einen transparenteren Umgang mit Beschwerden zu initiieren und „Räume zu schaffen, um Micro-Aggressionen und Verhaltensthemen anzusprechen“.

In der Finanzbranche kann es ein Karrierekiller sein, wenn man auf Diskriminierung hinweist – vor allem bei jungen Mitarbeitenden. Und doch sagt Bengasbia, sie setze alles daran, weiterhin eine „mutige muslimische Woman of Color zu sein, die als Impact-Investorin ein Portfolio verwaltet, das gute Rendite macht und gleichzeitig einen positiven sozialen und ökologischen Impact hat“.

Bengasbia schreibt, dass die Finanzwelt ein hartes Pflaster sein könne für Angehörige von unterrepräsentierten Gruppen – egal ob es um Geschlecht, Ethnie, sexuelle Orientierung, Religion oder Behinderung geht. Wenn man gleich mehreren dieser Gruppen angehöre, werde es noch schwerer. „Die Herausforderung für Women of Color in der Branche sind nochmals größer – wir sind aufgrund unseres Geschlecht und unserer ethnischen Herkunft, und in meinem Fall auch wegen meiner Religion, Angriffen ausgesetzt.“

Es mag auf der Hand liegen, einfach aufzugeben und die Branche verlassen, doch Bengasbia glaubt nicht, dass dies die Antwort sein kann. „Am Ende geht es darum: Psychische Gesundheit und Wohlbefinden oder ein lukrativer Arbeitsplatz in der Finanzwelt? Viele wählen ersteres und kehren der Branche den Rücken. Ich nenne das nicht das „Nachwuchs-Problem”, sondern das „Ihr ekelt uns weg-Problem“.

Bengasbia bereitet sich aktuell auf die CFA-Level-II-Prüfung vor und will demnächst ein Teilzeit-Masterstudium an der NYU Wagner aufnehmen. „Im Rahmen des Studiums will ich mich mit struktureller Armut, systemischem Rassismus und Sexismus, Umweltproblemen und Community-Entwicklungen befassen und damit, wie solche strukturellen Themen durch Impact-Investments angegangen werden können”, so Bengasbia. Ich habe mein Ziel vor Augen und die Richtung ist klar: Es geht aufwärts!“

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