45-jähriger Compliance-Dienstleister erleidet während der Arbeit am Sonntag Herzinfarkt

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45-jähriger Compliance-Dienstleister erleidet während der Arbeit am Sonntag Herzinfarkt

Während der Arbeit einen Herzinfarkt zu haben, ist im Finanzdienstleistungssektor leider keine Seltenheit. Ein Senior Trader hatte hier letztes Jahr berichtet, dass es vorkomme, dass man Kollegen auf dem Trading Floor sterben sehe – manchen passiert das im Laufe ihres Berufslebens sogar mehrmals. 2008 erlagt etwa Gavin Macdonald, Head of M&A bei Morgan Stanley, im Alter von 47 Jahren an seinem Schreibtisch in Canary Wharf einem Herzinfarkt. 2013 starb Hedgefonds-Trader Ben Steele im Alter von 35 Jahren. Und 2018 erlitt Simon Cox mit Anfang 50 beim Arbeiten an einem Samstagabend mutmaßlich einen Herzinfarkt – Cox war ECM-Banker und dafür berühmt geworden, dass er innerhalb von 30 Monaten 33 IPOs abgeschlossen hatte.

Um Opfer von Herzproblemen zu werden, braucht man allerdings nicht im Front Office einer Investmentbank zu arbeiten. Jonathan Frostick, der bei HSBC als externer Dienstleister in der IT-Compliance tätig, erlitt vor zwei Wochen an einem Sonntag um 16 Uhr einen Herzinfarkt. Er hatte sich gerade hingesetzt, um sich auf die „nächste Woche vorzubereiten“.

In einem Beitrag auf LinkedIn schreibt Frostick, er habe gemerkt, dass er nicht atmen konnte und spürte Beklemmungen im Brustraum. „Ich hatte das Gefühl, dass in meinem linken Arm Stromstöße sind. Mein Hals und meine Ohren haben geknackt.“

Anschließend, so schreibt er, seien ihm die folgenden Gedanken durch den Kopf gegangen:

  1. F*ck, ich habe morgen einen Termin mit meinem Manager, das passt gar nicht.
  2. Wie kriege ich die Finanzierung für Arbeitsthema X auf die Kette?
  3. Sh*t ich habe mein Testament nicht aktualisiert.
  4. Ich hoffe, ich werde nicht tot von meiner Frau aufgefunden.

Rund eine Woche später sagt Frostick, dass er sich nur noch zwei bis drei Stunden pro Tag im Haus bewegen kann und einen Rollator braucht, wenn er das Haus verlässt. Seine Erfahrung hat einen Sturm von Kommentaren auf LinkedIn ausgelöst, auch von anderen Menschen, die selbst einen Herzinfarkt hatten oder einen nahestehenden Menschen durch eine Herzerkrankung verloren haben. „Verpasste Geburtstage, Jahrestage oder durchgearbeitete Urlaubstage lassen sich nie wieder nachholen. Er hat sich nie beschwert, aber vielleicht hätte er es tun sollen. Man kann diese Tage nie wieder zurückbekommen“, schreibt etwa eine Frau, deren Mann gestorben ist.

Frostick seinerseits erklärt, dass sein Manager ihn nicht dazu gezwungen habe, sonntags zu arbeiten, sondern dass er das freiwillig getan habe. „Ich brenne für das, was ich tue. Ich bin ein (glücklicherweise) lebendes Beispiel dafür, dass das Verhältnis nicht mehr stimmt.“

Frostick schreibt, dass er, wenn es ihm besser gehe, nicht mehr den ganzen Tag auf Zoom verbringen will und „nie wieder irgendeinen S#%t bei der Arbeit ertragen“ wird, „das Leben ist buchstäblich zu kurz“. Er will mehr Zeit mit seiner Familie verbringen.

„Wenn Sie sich nicht wertgeschätzt fühlen oder zu überlastet sind, dann fangen Sie heute an, etwas zu verändern und bleiben Sie auch dabei. Toxische Umgebungen sind Ihre Gesundheit nicht wert“, fügt er hinzu.

HSBC erklärt, man wünsche Frostick eine schnelle Genesung. „Wir appellieren an alle, die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden an allererste Stelle zu setzen“, fügt die Bank hinzu. „Wir haben unser Engagement zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden letztes Jahr verdoppelt, unter anderem durch Unterstützungsangebote, durch Tools für gesundes Arbeiten und interne Awareness-Kampagnen.“

Frostick ist dem Tod von der Schippe gesprungen, und zwar in einer Zeit, in der junge Banker zwar samstags frei haben, dafür dann aber sonntags voll arbeiten müssen. „Der Sonntag ist jetzt ein echter Arbeitstag“, schreibt ein User im Web-Forum Wall Street Oasis. „Ich bekomme um 9 Uhr morgens E-Mails, die beantwortet werden müssen. Und MDs setzen interne Telefonkonferenzen an, die innerhalb von 30 Minuten organisiert werden müssen.“

Vor acht Jahren berichtete Duncan Dymond, Kardiologe in London, dass besonders Trader ein Risiko für Herzprobleme hätten: „Sie trinken zu viel Alkohol, schlafen zu wenig, nehmen zu viel Koffein zu sich und konsumieren zu viel Kokain. Das führt schon in jungen Jahren zu Vorhofflimmern. Es gibt auch Banker, die mit Ende 40 oder Anfang 50 Bluthochdruck und koronare Herzerkrankungen haben, weil sie übergewichtig sind und ihr ganzes Leben im Sitzen verbringen.“

Ein erfahrener Wall-Street-Banker erklärte uns gegenüber, dass er zwar versuche, sich sonntags frei zu nehmen, dass das aber oft nicht möglich sei: „Ich habe versucht, mir von Freitagmittag bis Sonntagmittag 48 arbeitsfreie Stunden zu blocken. Oft bleibt am Ende aber nur ein freier Samstag, weil freitagnachmittags und sonntagvormittags häufig doch Kundenwünsche oder Deadlines dazwischen kommen.“

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