Deutsche Bank: Alles hängt am Investmentbanking

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Deutsche Bank: Alles hängt am Investmentbanking

Er kommt aus dem Privatkundengeschäft und trennte nach seinem Amtsantritt ganze Geschäftsbereiche von der Investmentbank ab – und von genau der Sparte, die er eigentlich einschmelzen wollte, ist Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing jetzt blöderweise abhängig.

Eine Grafik, die am Beginn der heutigen Präsentation der Deutschen Bank steht, illustriert die Schieflage. Zwischen dem ersten Quartal 2020 und 2021 haben die Erträge im Investmentbanking der Deutschen Bank um 35 Prozent zugelegt. Im gleichen Zeitraum waren die Erträge sowohl im Firmenkunden- als auch im Privatkundengeschäft stagniert. In fast allen Geschäftsbereichen dümpelten die Erträge vor sich hin – mit Ausnahme des Investmentbankings, wo sie um 38 Prozent stiegen.

Das starke Wachstum hat die Deutsche Bank also fast ausschließlich ihrer Investmentbanken-Sparte zu verdanken.

Dass die Kernbank eine Eigenkapitalrendite von fast 11 Prozent erreicht hat und damit deutlich über ihrem Ziel von 8 Prozent für 2022 liegt, hat die Deutsche Bank ebenfalls ihrem Investmentbanking zu verdanken. Im Geschäfts- und Privatbankengeschäft der Deutschen Bank lag die Eigenkapitalrendite im ersten Quartal bei mickrigen 6,3 Prozent. In der Investmentbank lag sie bei fast 19 Prozent, im Asset Management mit 30 Prozent sogar noch höher.

Die Plackerei im Privat- und Firmenkundengeschäft sei ein zeitweiliges Phänomen und man sei überzeugt, dass das zu neuer Top-Form aufgelaufene Investmentbanking der Deutschen Bank die Leistung dauerhaft halten könne. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich die Märkte im Verlauf des Jahres 2021 normalisieren und sind nach wie vor der Meinung, dass das seit 2019 andauernde Wachstums unserer Investmentbank zum großen Teil nachhaltig ist. Wir erwarten, dass die Ertragslage 2021 sehr nahe am Niveau von 2020 liegt“, erklärte Sewing heute.

Mit anderen Worten: Die neu aufgestellte Investmentbanken-Sparte der Deutschen Bank ist eine Neuschöpfung. Das starke Ertragswachstum und das Gewinnplus von 66 Prozent in diesem Quartal im Vergleich zum Vorjahr sind zum Teil Sewings Verdienst – er war es, der die Restrukturierung orchestriert hatte.

Noch deutlicher würde dies, wenn es nicht auch bei anderen Banken gut laufen würde. Die heute vorlegten Ergebnisse der Deutschen Bank zeigen jedoch, dass die Investmentbanken-Sparte in den gleichen Bereichen floriert wie die Konkurrenz, in manchen Bereichen aber deutlich gegen diese abfällt.

Die untenstehende Grafik zeigt den Branchenvergleich. Die Deutsche Bank ist im Aktienhandel nicht mehr aktiv, übertraf im Handel mit festverzinslichen Währungen und Rohstoffen (FICC) im ersten Quartal jedoch alle Wettbewerber mit Ausnahme von Morgan Stanley. Auch im Bereich Equity Capital Markets (ECM) ließ die Deutsche Bank den Rest der Branche hinter sich (dank des SPAC-getriebenen Wachstums im Jahresvergleich), dies allerdings nur, weil das erstes Quartal 2020 so mickrig ausgefallen war. Im Advisory (M&A) und Debt Capital Markets (DCM) musste die Deutsche Bank im ersten Quartal allerdings Federn lassen.

Egal wie sehr Christian Sewing die Lage schönredet: Die Performance der Deutschen Bank im ersten Quartal war nicht besonders und wird sich vermutlich auch nicht als nachhaltig erweisen, wenn die derzeitigen Bedingungen abebben (so prophezeite Paul Taubman von PJT Partners gestern ein baldiges Ende des SPAC-Booms). Der Gewinn hängt größtenteils an dem einen Geschäft, auf das sich die Deutsche Bank immer verlassen hat, das sie aber gleichzeitig immer wenn es nicht gut läuft abschütteln will, nämlich dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Innerhalb des Investmentbankings machte der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren 80 Prozent der Erträge im ersten Quartal aus. Bankenweit machte der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren 35 Prozent der Erträge im ersten Quartal aus. Solange der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren floriert, kann Sewing also weiter große Töne spucken.

Die Deutsche Bank darf nicht in die Falle tappen, sich zu sehr von einem bestimmten Geschäftsfeld abhängig zu machen. Wenn man zwischen den Zeilen liest, war es vor allem der Kredithandel, der die Erträge im ersten Quartal angetrieben hat. Heute erklärte die Deutsche Bank, dass es im Bereich Rates, FX und Emerging Markets nicht so gut gelaufen sei. Die Credit-Trader der Deutschen Bank sind seit langem bekannt dafür, dass sie hohe Umsätze und Gewinne erwirtschaften – bis etwas schief geht. Sewing hob heute die „führenden Risikomanagement-Fähigkeiten“ der Bank hervor. Bleibt zu hoffen, dass er recht behält, denn zumindest im Kreditgeschäft hängt die gesamte Bank von ihnen ab.

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