Banker-Ehefrau beschwert sich bei Jamie Dimon über die Rückkehr ins Büro

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Banker-Ehefrau beschwert sich bei Jamie Dimon über die Rückkehr ins Büro

Nimmt Jamie Dimon bei J.P. Morgan die Wünsche seiner Banker zu wenig ernst? In einem Interview im Rahmen der Wall Street Journal CEO Conference äußerte er sich wohlbedacht: „Ja, die Leute haben keine Lust zu pendeln, aber was will man machen?“. Zudem erzählte er spöttisch, dass er eine „böse Nachricht“ von der Frau eines Mitarbeiters bekommen habe, die ihn fragte, warum er ihren Mann zurück ins Büro beordere.

Tatsächlich trifft J.P. Morgan trotz der einschlägigen Bemerkungen des CEOs über das Arbeiten im Home Office Vorkehrungen dafür, Remote-Arbeit ab Juli teilweise und auf Rotationsbasis zu ermöglichen und erklärt, dass der Trend bleiben werde. Das ist anders als bei Goldman Sachs oder Citadel und Citadel Securities. Goldman Sachs erklärte gestern, dass man „die Möglichkeit von Rotationsplänen, wo anwendbar, in Betracht ziehen“ werde. Bei Citadel geht man davon aus, dass die meisten Angestellten bis Juni wieder im Büro sind und dann in Sachen Home Office wieder dieselben Regeln gelten wie vor der Pandemie, als die meisten Leute Vollzeit im Büro waren.

Es liegt nah, zu fragen, ob die Entscheidung, das Home Office zu beenden, auf der Grundlage von Tatsachen getroffen wurde, oder ob die vielmehr mit „Anekdotischem“ und persönlichen Präferenzen der CEOs zusammenhängt. Jamie Dimon sagt, dass er „voller Ideen“ von einer Reise nach Kalifornien zurückgekommen sei – Ideen, die er in Zoom-Meetings nicht hätte sammeln können. Allerdings dürften die durchschnittlichen Arbeitstage der meisten Menschen wohl komplett anders als seine aussehen. Wenn der CEO von J.P. Morgan kommt, freuen sich die Leute auf ihn, bereiten das Treffen akribisch vor und setzen alles daran, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Kurz: Als CEO von J.P. Morgan hat man eine völlig falsche Vorstellung davon, wie Meetings im Regelfall ablaufen. Wenn Jamie Dimon häufiger in stickigen Glaskästen sitzen müsste, zusammen mit einem IT-Kollegen, den er nicht ausstehen kann, dann würde er die Alchemie der persönlichen Interaktion vielleicht nicht ganz so laut preisen.

Ganz abgesehen davon werden viele europäische Banker nach wie vor den Großteil ihres Arbeitstages auf Zoom verbringen, ganz egal, ob im Home Office oder nicht: Dann nämlich, wenn ihre Teams aufgrund des Brexits nun auf London und Paris oder London und Frankfurt verteilt sind. Jetzt könnte die Stunde für Banken wie die Deutsche Bank schlagen: Hier will man offenbar wirklich dauerhaft mehr Home Office ermöglichen und spart sich gleichzeitig die Andeutungen in Bezug auf die Arbeitsmoral der Leute, die diese Option nutzen. In einem hart umkämpften Bewerbermarkt haben die Arbeitgeber die besseren Karten, die sich glaubwürdig darum bemühen, dass ihre Leute nicht pendeln müssen – und nicht die, die sagen „was will man machen?“. Es geht schließlich um zwei Stunden Lebenszeit, die man potenziell mehr haben könnte.

In den Zahlen haben sich die angeblichen Nachteile der Arbeit im Home Office in keinster Weise niedergeschlagen. Vom Tag 1 an waren Banker überrascht darüber, wie viel man vom Home Office aus hinbekommt. Gut möglich, dass viele dieser „synergetischen Interaktionen“ einfach nur Zeitverschwendung waren . Vielleicht haben Mitarbeiter, die ständig danach gelechzt haben, so viel Zeit wie möglich mit dem CEO zu bekommen, nicht so sehr „gebaggert“, sondern sich eher in „Soziopathie“ geübt. Vielleicht werden in ein paar Jahren die wütenden Banker-Frauen diejenigen sein, die Recht behalten.

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