Credit Suisse erwägt Retention-Boni

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Credit Suisse erwägt Retention-Boni

Das Unvermeidliche liegt nun auf dem Tisch: Mehr als sechs hochrangige Banker haben der Credit Suisse in den vergangenen Wochen den Rücken gekehrt und sind unter anderem zur – zu neuem Leben erwachenden – Deutschen Bank gegangen. Vor diesem Hintergrund wird nun bei der Credit Suisse intensiv überlegt, wie man verhindern kann, dass noch mehr Banker ihren Hut nehmen.

Es gibt im Banking altbewährte Methoden, um Mitarbeitende vom Gehen abzuhalten. Zum Arsenal gehören Gegenangebote oder auch Psychospielchen im Konferenzraum mit Managing Directors. Aber wenn die angedrohten Kündigungen wirklich System haben, müssen größere Geschütze aufgefahren werden – etwa zusätzliche Boni, die einem bei eigener Kündigung gestrichen werden.

Noch werden bei der Credit Suisse definitiv keine der sogenannten „Retention-Boni“ angeboten: Bloomberg berichtet, dass diese im Moment lediglich „in Erwägung“ gezogen werden. Dass etwas passieren muss, ist allerdings klar. Die Bank ist für Headhunter aller Art zu einer Art reichhaltigem Jagdgrund geworden – vorangegangen war eine Pechsträhne rund um Ereignisse wie Greensill und Archegos, deren Folge nun den Bonuspool kosten könnten, was wiederum bedeutet, dass die Credit-Suisse-Banker dieses Jahr vermutlich leer ausgehen – ganz egal, wie viel sie leisten. Gepaart mit der Tatsache, dass Berichten zufolge sowohl die Trading- als auch die Finanzierungsaktivitäten eingeschränkt werden sollen, während gleichzeitig sowohl interne Prüfungen als auch Prüfungen der Schweizer Aufsichtsbehörde laufen, wird klar, dass es bei der Credit Suisse alles andere als rund läuft.

Falls es bei der Credit Suisse tatsächlich zu Retentions-Boni kommen sollte, könnten diese laut Bloomberg für Leistungsträger auf allen Ebenen gelten, „von der Nachwuchskraft bis zum erfahrenen Rainmaker“. Neben den genannten Überlegungen waren für Junior-Mitarbeiter im März die Gehälter erhöht und ein Sonderbonus in Höhe von 20.000 Dollar bezahlt worden – möglicherweise folgt nun die Einsicht, dass dies angesichts der branchenweit steigenden Vergütung nicht genug war. Wenn die Credit Suisse es wirklich ernst damit meint, ihre Junior-Banker halten zu wollen, könnte sie sich Anregung bei Apollo Capital Management holen: Dort hatte man den mit den Füßen scharrenden First-Year, Second-Year- und Third-Year-Associates Retention-Boni in Höhe von 100.000, 150.000 bzw. 200.000 US-Dollar angeboten.

Bei langjährigeren Mitarbeitern erweisen sich Halteprämien nicht immer als erfolgreich – das zeigt das Beispiel Deutsche Bank, wo 2017 unter dem ehemaligen CEO John Cryan klägliche Retentions-Boni angeboten wurden, wobei einige bei der Bank dieses Jahr nun einen kleinen Teil des versprochenen Geldsegens erhielten. Das wohl erfolgreichsten Retentions-Boni-Modell der letzten Zeit wurde im Zuge der Finanzkrise bei der Credit Suisse selbst entwickelt: Damals vergab die Bank Boni, die aus „toxischen Vermögenswerten“ zusammengesetzt waren, die dann erfreulicherweise doch recht viel wert waren. Es waren eben diese Boni, die etwa Eric Varvel sein Luxus-Anwesen in Südfrankreich ermöglichten. Wenn sich die Vergangenheit wiederholt, dann steht zu vermuten, dass die Credit-Suisse-Banker mit Boni rechnen können, die auf jenen Greensill-Krediten basieren, die am Ende wirklich abbezahlt werden, oder auch auf einem verbleibenden Archegos-Engagement, das abgewickelt wird. Eine Pracht-Villa in Frankreich lässt sich damit vermutlich nicht kaufen – aber es könnte reichen, um die ein- oder anderen Schulgebühren zu bezahlen.

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