„Die meisten Banker arbeiten auch mit über 40 noch 80 Stunden pro Woche“

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„Die meisten Banker arbeiten auch mit über 40 noch 80 Stunden pro Woche“

Wer davon ausgeht, dass die Arbeitszeiten im Banking besser werden, je älter man wird, liegt mit dieser Annahme leider falsch. Alexandra Michel hat sich intensiv mit den Arbeitszeiten von Bankerinnen und Bankern befasst und sagt, dass diese über Jahre hinweg extrem seien.

Wer mit dem Namen Alexandra Michel nichts anfangen kann: Michel war Associate bei Goldman Sachs, ist mittlerweile Wissenschaftlerin und hat sich auf die Analyse von Bankerinnen und Bankern spezialisiert. Sie hat 2012 eine bahnbrechende Studie vorgelegt, für die sie 100 junge Bank-Mitarbeitende untersucht hat, die sich mit 120-Stunden-Wochen körperlich und mental zugrunde richteten. Und sie begleitet sie bis heute.

„Ich beobachte die Leute seit 20 Jahren“, so Michel. „Sie sind mittlerweile Mitte 40 und viele arbeiten noch immer 80 Stunden pro Woche. Manche arbeiten immer noch die Nächte durch.“

Wie letztes Jahr berichtet, hat Michel festgestellt, dass die Banker, die sie begleitet, ihre Gewohnheit, übertrieben viel zu arbeiten, auch beim Wechsel in andere Branchen beibehalten – also nicht nur, wenn sie ins Private Equity oder zu Hedgefonds wechseln. „Es gibt einen Trend, in Boom-Branchen wie Healthcare, Tech oder Bildung zu gehen“, so Michel. Dass man das Gefühl hat, 80 Stunden pro Woche arbeiten zu müssen, komme daher, dass die Leute sich immer noch gedanklich mit ihren Kolleginnnen und -Kollegen aus dem Banking messen. „Du musst so viel arbeiten wie Du nur kannst, denn du musst davon ausgehen, dass deine sehr begabten Mitstreiterinnen und Mitstreiter das auch tun.“

Wer einmal im Banking gearbeitet habe sei, so Michel, gefangen in einem erbarmungslosen Wettrennen gegen die Leute, die gleichzeitig mit einem ins Berufsleben gestartet sind. „Es geht darum, ein ewig währendes Wettrennen zu gewinnen.“

Das ist ein Problem, denn mit fortschreitendem Alter wird es schwerer, dem Körper dasselbe Leistungsniveau abzuverlangen. Michel sagt, dass die von ihr begleiteten Banker Profis darin seien, mithilfe von medikamentöser Unterstützung vorn zu bleiben. „Es geht um weit mehr als nur um Meditation oder positive Psychologie“, sagt sie. „Wer eine Durchschnittsperson fragt, wie sie sich gesund und fit hält, dann lautet die Antwort wahrscheinlich, dass es wichtig sei, genug zu schlafen und das Gewicht im Blick zu behalten. Banker allerdings verwenden sehr viel weitreichendere Mittel, um in ihre mentale und körperliche Gesundheit einzugreifen.“

Michel sagt, dass die von ihr begleiteten Banker beispielsweise mit dem Thema Darmflora vertraut waren, weit bevor es ein bekannter Hack wurde. „Sie haben die Mittel, Dinge zu tun, die normale Leute nicht kennen oder sich nicht leisten können.“ Dazu gehören Hormonspritzen (für Männer und Frauen) und hormonelle Handmassagen. „Wenn sich herumspricht, dass man im Meeting freundlicher rüberkommt, wenn man sich vorher die Hände mit Oxytocin eingerieben hat, dann machen sie das“, so Michel. Viele würden dafür jeden Monat zwischen 5.000 und 8.000 US-Dollar ausgeben.

Die Wirklichkeit zeige, dass Junior-Banker zwar gern eine „F*ck you money“-Einstellung vor sich hertragen, dass diese aber bröckelt, wenn sie älter werden und dasselbe Tempo beibehalten. „Im Banking zu arbeiten, krempelt einen von innen heraus um. Man ist gewöhnt, auf Anfragen von außen sofort zu reagieren und es fällt einem sehr schwer, nichts zu tun“, sagt Michel.

Ihre Forschung legt nahe, dass die Kultur des selbst-auferlegten Arbeitswahns normalerweise nur durch „einschneidende Lebensereignisse“ beendet wird.

„Manche der Untersuchten haben einschneidende Erlebnisse gehabt“, berichtet Michel. „Diese führen zu einer heftigen Krise, in der es nicht nur darum geht, dass man krank ist, sondern auch um die daraus folgende finanzielle Unsicherheit und den Verlust der Identität. Es gibt häufig die Vorstellung, dass es zwei Arten von Menschen gibt – die Elite und der schwammige Rest und es kann einem sehr schwer fallen, nicht mehr dazuzugehören.“

 

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