„Feel good-Bank?“: Investoren kritisieren hohe Gehälter bei der Deutschen Bank

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„Feel good-Bank?“: Investoren kritisieren hohe Gehälter bei der Deutschen Bank

Bei der Deutschen Bank sind glückliche Zeiten angebrochen. Die Bank hält ihre Jahreshauptversammlung ab und es läuft gut – an einem Milliardenverlust bei Archegos ist man vorbeigeschrammt, das Rating durch Moody's wird möglicherweise heraufgestuft, die kürzlich erfolgte Emission von Tier-1-Kapitalinstrumenten war vierfach überzeichnet und in der Investmentbank brummt das Wachstum. CEO  Christian Sewing erklärte, die Loyalität der Deutsche-Bank-Beschäftigten sei so hoch wie 2012, 76 Prozent stünden hinter der Strategie der Bank. Alles ist gut.

Neben den zweifellos vorhandenen Erfolgen könnte der große Zuspruch der Beschäftigten bei der Deutschen Bank aber auch damit zusammenhängen, dass die Mitarbeitenden der Investmentbank letztes Jahr sehr, sehr gut verdient haben. Wie wir im März berichteten, wurden die Gehälter für Leistungsträger erhöht – im Durchschnitt ging der Bonus bei den 925 Material-Risk-Takern der Investmentbank (also bei Tradern, Senior Bankern oder Senior Managern) um 71 Prozent nach oben. In der Investmentbank insgesamt wuchs der Bonuspool um 46 Prozent.

Ergebnis dieser Freigiebigkeit ist, dass 684 Personen bei der Deutschen Bank im Jahr 2020 über 1 Mio. Euro verdient haben, 2019 waren es 583. Blickt man nun noch auf den Aktienkurs, der im Laufe des Jahres 2020 um 71 Prozent zulegte (wovon alle profitieren, die in den vergangenen Jahren sogenannte „deferred Boni“ erhalten haben), wird klar, warum die Deutsche-Bank-Mitarbeitenden so gut gelaunt sind.

Bei den Investoren hingegen – das deutete sich auf der Jahreshauptversammlung an – ist die Laune nicht ganz so gut. Zwar wissen sie die positiven Entwicklungen bei der Deutschen Bank durchaus zu schätzen, ihnen ist allerdings auch das üppige Vergütungs-Plus im letzten Jahr nicht entgangen. „Die variable Vergütung ist im Jahr 2020 um 29 Prozent gestiegen. In einem Jahr, in dem die Bank gerade mal eine Milliarde Euro vor Steuern erwirtschaftet hat, ist das übertrieben“, kritisiert Andreas Thomae, Portfoliomanager bei Deka Investment. „Ein größerer Teil der Boni wurde aufgeschoben und das wird sich auf künftige Erträge niederschlagen. Die Bank hat im operativen Bereich zwar Schritte nach vorn gemacht, die Boni sollten allerdings auf Basis der tatsächlichen Gewinne ausgezahlt werden und nicht als Anleihe auf die Zukunft.“

Ähnliche Kritik kommt von Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wie das Handelsblatt berichtet, bemängelt er, dass Beschäftigte üppige Boni bekommen während die Anleger leer ausgehen. Als guter CEO ist Christian Sewing natürlich nicht blind für die Beschwerden der Aktionäre. Ab 2022, so hat er sich verpflichtet, werden 5 Mrd. Euro an die Anleger ausgeschüttet, im ersten Quartal dieses Jahres wurden bereits 300 Mio. Euro für Dividenden zurückgelegt.

Während auf die Bedenken der Deutsche-Bank-Anleger reagiert wird, besteht die Gefahr, dass die Bonushoffnungen der Sales- und Trading-Mitarbeiter der Deutschen Bank – also bei denen, die der Bank Wachstum und Gewinne bescheren sollen – enttäuscht werden könnten. Im ersten Quartal sind die Gewinne der Investmentbank um 134 Prozent angestiegen, die Ausgaben für Vergütung hingegen blieben in etwa stabil. Investoren meckern bereits, dass Banker und Trader bei der Deutschen Bank so hoch bezahlt werden, Banker und Trader selbst rechnen 2021 mit weiteren Gehaltssteigerungen – für Sewing ist das ein delikater Drahtseilakt.

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