J.P. Morgans übergriffige Aufforderung, WhatsApp-Nachrichten zu melden

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J.P. Morgans übergriffige Aufforderung, WhatsApp-Nachrichten zu melden

Es ist kein Geheimnis: Gedankenlos ein paar Kundenkommentare und Emojis per WhatsApp an Freunde weiterzuleiten, hat schon einige Banker und Trader in Bedrängnis gebracht. Hier braucht man nur die Trader bei Morgen Stanley zu fragen, die darum im Oktober letztes Jahr gehen mussten, oder auch den ehemaligen Jefferies-Banker Christopher Niehaus, der zu einer Geldstrafe von 37.000 £ (52.000 $) verurteilt wurde, nachdem er damit geprahlt hatte, mit einem M&A-Deal seine Hypothek abbezahlen zu können.

In der Vergangenheit konnten einige dem „Tod durch WhatsApp“ entgehen, indem sie sämtliche unangemessenen Nachrichten gelöscht und die eigene Unschuld beteuert haben. Genau diese Leute schien J.P. Morgan mit einem Memo erreichen zu wollen, das letzten Freitag verschickt wurde.

Das Memo, das Berichten zufolge an J.P. Morgans „Trader, Banker, Finanzberater und sogar einige Filialbeschäftigte“ verschickt wurde, forderte dazu auf, sich hinzusetzen und die Nachrichten zu sichten, die sie in den letzten drei Jahren über WhatsApp und andere Nachrichtensysteme verschickt oder erhalten haben und dabei alle, die „geschäftliche Bezüge“ zu speichern – eine vermutlich zeitaufwändige Beschäftigung fürs Wochenende. Bei Nichteinhaltung riskiere man „Konsequenzen“ von Seiten der Rechtsabteilung der Bank. Die Anweisung gilt anscheinend für sämtliche Nachrichten, egal ob auf privaten oder dienstlichen Endgeräten.

Es liegt nahe, dass J. P. Morgan in einem nächsten Schritt seine Beschäftigten auffordern könnte, alle identifizierten Nachrichten einzureichen, damit diese von der Rechtsabteilung der Bank gespeichert werden und ihnen möglicherweise auch nachgegangen wird. Bedenkt man, dass fast alle auf WhatsApp sind und fast jeder in den letzten 36 Monaten mindestens eine Nachricht verschickt haben dürfte, in der über die Arbeit und den Arbeitgeber gemeckert wurde, sorgt die Aufforderung natürlich für eine Welle der Besorgnis.

Unklar ist, was J.P. Morgan-Mitarbeitende tun können, die sich hier drücken wollen: Das Handy in die Toilette fallen lassen ohne zuvor ein BackUp zu machen, aus dem die Nachrichten extrahiert werden könnten? – Vielleicht sind manche versucht, jetzt um so mehr WhatsApp-Nachrichten an Freunde und Kollegen zu schicken und darüber zu diskutieren, ob es wirklich notwendig ist, alle Nachrichten mit Bezug zu Arbeitsthemen zu isolieren – oder ob mit dem Memo vielleicht nur Nachrichten über Geschäfte und Kunden gemeint sind, nicht aber solche, in denen man über den Cehf lästert oder darüber, bis 3 Uhr morgens arbeiten zu müssen.

Einige Banken, darunter die Deutsche Bank, nutzen bereits eine spezielle Version von WhatsApp,  die von der Messaging-Plattform Symphony zur Verfügung gestellt wird und die sämtliche arbeitsbezogenen Nachrichten automatisch sichert. Wenn es um Nachrichten geht, die keinen Bezug zu Arbeitsthemen haben, wird das Memo von J.P. Morgan wahrscheinlich vor allem einen Effekt haben: Von nun an werden Angestellte auf Apps wie Signal oder Telegram ausweichen – dort können Nachrichten so erstellt werden, dass sie innerhalb von wenigen Minuten nach dem Versenden automatisch gelöscht werden.

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