Top-Banker bei Goldman Sachs: Die ersten zehn Jahre habe ich mich fast totgearbeitet

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Top-Banker bei Goldman Sachs: Die ersten zehn Jahre habe ich mich fast totgearbeitet

Investmentbanken schrauben die Gehälter für Junior-Mitarbeitende nach oben und bieten Schutzmechanismen an, um das Banking-Leben erträglicher zu machen (mit Ausnahme von Howard Lutnick) und in diesem Zusammenhang haben sich einige in der Branche die Kommentare in Erinnerung gerufen, die ein führender Coverage-Banker von Goldman Sachs 2015 und 2016 gemacht hat – und die recht deutlich im Widerspruch zur aktuellen Stimmung stehen.

James H. Donovan arbeitet seit 27 Jahren bei Goldman Sachs und ist im Unternehmen aktuell Chairman of Global Client Coverage, mit Sitz in New York. Er hat sich in letzter Zeit kaum öffentlich geäußert – zuletzt ging er letztes Jahr durch die Presse, als sein Verhältnis mit Hope Hicks aufgedeckt wurde. Hicks ist ehemalige Trump-Beraterin und über 20 Jahre jünger als er.

Was Donovan von den kürzlich geäußerten Klagen von jungen Goldman-Sachs-Mitarbeitern über Überstunden und 100-Stunden-Arbeitswochen hält, ist unklar – seine Aussagen von vor sechs Jahren legen allerdings nahe, dass er wenig Verständnis haben dürfte.

Wenn man als Banker vom CEO eines Unternehmens damit betraut wird, das Unternehmen an die Börse zu bringen oder mit einem anderen Unternehmen zusammen zu gehen, dann ist das „vermutlich das wichtigste Vorhaben, dass dieser CEO in seinem gesamten Berufsleben betreut hat“, hatte Donovan 2016 in einer Rede an der University of Virginia School of Law erklärt. Das mache den Beruf so anstrengend. Und dies bedeute auch, dass Banker im Kundenkontakt dem Kunden das Gefühl geben müssen, dass dieser während der Abwicklung des Deals für ihn absolute Priorität habe. „Man muss in der Lage sein, den Klienten an allererste Stelle zu setzen“, so Donovan, „und für ihn da zu sein, wann immer er einen braucht“.

In der Praxis bedeute dies, dass man als Banker mit Kundenkontakt de facto die Kontrolle über die eigene Zeitplanung verliere. Wenn ein Klient mailt oder anruft, muss man sofort reagieren – egal zu welcher Tageszeit. „Sie werden Anrufe um 2, 3, 4 Uhr morgens kriegen. Sie werden um 2, 3, 4 Uhr morgens E-Mails beantworten müssen. Sie müssen wirklich schnell zurückschreiben.“

In einem anderen Vortrag an der gleichen Universität sagte Donovan, wenn man dies nicht tue, würde es jemand anderes tun. „Wenn Sie nicht erreichbar sind, um dem oder der Klientin das abzunehmen, womit er oder sie Sie beauftragt hat, dann wird es jemand anderen geben, der das tut. Es gibt viele Leute, die bereit sind, nachts um 2 oder 3 ans Telefon zu gehen, wenn Sie es nicht sind – Sie müssen also hart arbeiten.“

Donovan lebt, was er predigt: Er ist kein Verfechter einer guten Work-Life-Balance, zumindest nicht in dem Sinne, wie der Begriff aktuell verstanden wird. Während seiner ersten zehn Jahre bei Goldman Sachs habe er, so Donovan, seinen Kunden gesagt, dass sie ihm „rund um die Uhr“ auf die Mailbox sprechen können und dass er seine Nachrichten alle zehn Sekunden abhören und sich sofort zurückmelden würde, „es sei denn, ich bin tot oder schlafe“. In diesem Jahrzehnt hätte er, so Donovan, „sich totgearbeitet“: Durchgearbeitete Nächte, nicht nach Hause kommen, auf der ganzen Welt unterwegs sein. In dieser Zeit habe er „keinerlei Balance“ gehabt. Seine Tochter habe ihn im Alter von 1 bis 6 Jahren so gut wie nicht gesehen.

Nichts davon deutet darauf hin, dass Donovan Verständnis hat für die Goldman-Sachs-Junioren, die samstags frei haben und mehr als fünf Stunden pro Nacht schlafen wollen. Donovan ist der Meinung, dass man diese Privilegien aufgebe, wenn man sich für ein Leben als Banker im Kundenkontakt entscheide.

Das bedeutet nicht, dass Banker in Donovans Weltbild komplett ohnmächtig sind. Er sagt, der Banker hätte das Recht, Anforderungen des Kunden auszuschlagen, wenn das in dessen eigenen Interesse liege. Es sei ok, wenn man sage; „Wenn ich das jetzt mache, kann ich das Produkt und die Arbeit, die Sie eigentlich wollen, nicht erbringen… Und das möchte ich Ihnen nicht antun, lieber Kunde.“ Außerdem sagt er, dass es ok sei, sich ein bisschen Zeit für sich selbst freizuschaufeln, um mental gesund zu bleiben. Im Fall von Donovan war dies das Joggen. In seinen ersten zehn Jahren als Banker sagt er, dass er „jeden Tag 35 Minuten laufen gegangen ist, egal was passiert ist“.

Donovan hat 1993 bei Goldman Sachs angefangen, seine Erlebnisse dürften also ein wenig veraltert sein. Man sollte allerdings bedenken, dass langjährige Banking-Personaler sagen, dass der aktuell tobende Kampf um Nachwuchsbanker vergleichbar sei mit dem Dot-Com-Boom in den frühen 2000ern. Viele Banken hätten im ersten Halbjahr diesen Jahres Rekordeinnahmen eingefahren. In diesem Umfeld, so berichtete uns ein Staffer vor Kurzem, hätten Analysten, Associates, Vice Presidents und Managing Directors die Nächte durchgearbeitet, um Deals abzuschließen.

Donovans offene Worte erklären, warum. Schlussendlich geht es im Banking um den Kontakt zum Kunden – und wenn der möchte, dass man samstags um 2 Uhr morgens arbeitet, dann muss man das tun, komme was wolle.

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