Deutsche Junior-Banker kündigen – die Gründe: Arbeitszeiten, Gehalt und Rückkehr zur Büropräsenz

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Deutsche Junior-Banker kündigen – die Gründe: Arbeitszeiten, Gehalt und Rückkehr zur Büropräsenz

Nicht nur in New York und London war die Arbeitsbelastung bei Bankern zuletzt außergewöhnlich hoch: Die Aktivität im Bereich M&A ist im ersten Halbjahr nach Angaben von Refintiv weltweit im Vergleich zum Vorjahr um 131 Prozent gestiegen und von Jung-Bankern wurden flächendeckend Überstunden erwartet. In Deutschland gibt es jetzt einige Junior-Banker, denen es reicht.

Nach Aussage von Informanden sind dem Deutschland-Büro der australische Bank Macquarie seit Jahresbeginn Jung-Banker in Scharen davon gelaufen. Angeprangert werden Überstunden, das Beharren auf die Rückkehr zur Büropräsenz und die Tatsache, dass Junior-Mitarbeitende bei Macquarie noch keine Gehaltserhöhung erhalten haben. 

Macquarie wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, uns wurde jedoch zugetragen, dass von den acht Analysten in Frankfurt seit Februar 2021 fünf gegangen seien. „Wir waren konfrontiert mit einer Zunahme der Arbeitslast und entsprechenden Überstunden, weil im Sommer 2020 eine Reihe von Analysten gegangen war“, erklärt einer von denen, die gekündigt haben. „Außerdem wurden wir im Juni 2020 in Vollzeit zurück in die Büros beordert und durften nicht mehr im Home Office arbeiten.“

Während die meisten Banken die Jahresgehälter auf 100.000 bis 110.000 US-Dollar – bzw. den entsprechenden Betrag in der lokalen Währung – angehoben haben, ist bei Macquarie anscheinend noch keine Gehaltsanpassung erfolgt. Einige Jung-Banker beklagen außerdem, dass sie im Zuge der Bonusausschüttung im Mai 2021 nicht – wie erwartet – mehr Gehalt bekommen hätten.

Es ist natürlich gut möglich, dass die Junior-Mitarbeitenden ganz unabhängig davon kündigen wollten, oder auch, dass die Bank neue Leute einstellen wollte. Während einige, die bei Macquarie gegangen sind, mittlerweile Stellen bei der Konkurrenz angetreten haben, gibt es auch einige, die nicht mehr in der Branche sind oder auf Unternehmensseite gewechselt sind. Die australische Bank wird die Vakanzen vermutlich bald füllen. In einer Bewertung auf Glassdoor aus dem letzten Jahr schreibt ein Junior-Banker, dass die Leute in seinem Team toll und die Deals interessant gewesen seien, dass es aber viele Überstunden gab und das Stress-Level hoch war. Ein anderer Jung-Banker bezeichnet die Kultur allerdings als „großartig“.

Macquarie – bekannt als Millionärs-Schmiede – gehörte nach Angaben von Refinitiv im ersten Halbjahr 2021 zu den zehn besten M&A-Banken.

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