Wie französische, deutsche und italienische Banker aus London verschwinden

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Wie französische, deutsche und italienische Banker aus London verschwinden

Im Recruitment in der Londoner Finanzwelt fehlt zunehmend der Nachschub. Neun Monate nach dem Brexit und in einer Kraftstoff-Krise mit Szenen, die an die Sowjet Union erinnern, wird der Nachschub an Banking-Talenten zum Problem.

„Wir spüren, dass es in London jetzt weniger Bewerberinnen und Bewerber aus der EU gibt“, so der Chef einer Headhunting-Boutique in der Londoner City. „Jetzt wo die Pandemie-bedingten Reisebeschränkungen aufgehoben werden, werden hunderte von Leuten aus London abgezogen und dies verschärft den Mangel an Talenten, vor allem auf dem Einstiegs-Level.“

Das heißt nicht, dass Jobinteressenten aus den EU aus der Londoner City verschwunden wären. Für die untenstehende Tabelle haben wir Lebensläufe von Leuten in M&A, die in den letzten zwölf Monaten in die Datenbank von eFinancialCareers aufgenommen wurden, nach der jeweiligen Muttersprache sortiert und diese mit Daten von vor fünf Jahren verglichen. Es zeigt sich, dass die Anteile überall gesunken sind – der Anteil von Deutsch-Muttersprachlern, die ihre Lebensläufe bei uns hochladen, hat sich seit 2016 halbiert.

All das bleibt nicht unbemerkt. In einem Forschungs-Papier erklärt der Verband TheCityUK heute, dass die Personalfrage für seine Mitglieder aus der Londoner Finanzwelt zum Thema Nummer 1 werde. Infolge des Brexits seien Banken und Finanzunternehmen in der Londoner City aufgrund der neuen Zuwanderungsregeln einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert. So ist beispielsweise die Umsetzung von firmeninternen Versetzungen schwieriger geworden und alle, die beruflich nach Großbritannien kommen – uns sei es nur für kurze Zeit –, müssen sich um ein Arbeitsvisum bewerben. „Es gibt den Besucherstatus und das Arbeitsvisum, aber nichts dazwischen“, so das Papier. Sobald ein Arbeitnehmer aus der EU in der Londoner City arbeitet, müssen die Banken dem britischen Innenministerium ständig scheinbar unnötige Informationen wie Adressänderungen melden.

Zusammen mit den anderen, öffentlichkeitsstark diskutierten Problemen in Großbritannien trägt dies dazu bei, Banker in der EU aus London zu vergraulen, vor allem wenn in der alten Heimat gut bezahlte Banken- und Finanzjobs warten. „Die Wahrnehmung von Großbritannien als Top-Adresse für internationale Talente ist in den letzten vier Jahren zurückgegangen und könnte noch weiter absacken, wenn die Freizügigkeit endet“, so CityUK. „Arbeitgeber sind gezwungen, das durch höhere Gehälter auszugleichen, wenn sie weiterhin Top-Talente nach UK holen wollen.“

Das Risiko besteht nun darin, dass der britische Bankensektor in eine Abwärtsspirale gerät – dass man immer weniger attraktiv für EU-Talente wird, darum höhere Gehälter zahlen muss und London dann unrentabel und in der Folge für Banken noch unattraktiver wird. Im Moment sagen Recruiter, dass die Personalknappheit am deutlichsten auf dem Einstiegs-Level spürbar ist: Senior-Banker, die aus der EU stammen, bleiben in London. Was allerdings fehlt, ist der Nachschub.

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Photo by João Barbosa on Unsplash

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