„Andere halten dich für eine Idiotin, weil du so viel arbeitest. Ich sehe das anders“

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„Andere halten dich für eine Idiotin, weil du so viel arbeitest. Ich sehe das anders“

Viel wurde letztes Jahr über die ausufernden Arbeitszeiten im Banking geklagt – nicht vergessen werden sollte aber, dass junge Leute, die ins Banking gehen, anders ticken als andere. Klar ist: 100-Stunden-Wochen gehen nicht, aber genauso wenig wird eine 50-Stunden-Woche erwartet.

Marit Annink, Analystin im Investmentbanking in Stockholm, hat sich in ihrer kürzlich erschienenen Master-Arbeit mit den Erfahrungen von männlichen und weiblichen Einsteigern im Investmentbanking beschäftigt. Die Arbeit entstand nachdem Annink ein einjähriges Praktikum bei Morgan Stanley gemacht hat, wo sie mittlerweile fest angestellt ist, und sie enthält eine Reihe an Interviews mit Bankerinnen und Bankern, die ein bis fünf Jahre Berufserfahrung haben. Unklar ist, ob alle Befragten bei Morgan Stanley arbeiten. Die Bank selbst wollte sich zu der Arbeit nicht äußern.

Ähnlich wie Florian Koelliker, einem anderen Ex-Analysten von Morgan Stanley, dessen Dissertation auf Interviews mit Jung-Bankern basiert, stellt Annink fest, dass Berufseinsteigerinnen und -einsteiger im Investmentbanking lange Arbeitszeiten in Kauf nehmen. „Viele halten dich für eine Idiotin, weil du bereit bist, so viel zu arbeiten“, sagte eine Analystin im Gespräch mit Annink. „Ich sehe das anders.“

Ins Banking zu gehen sei, wie wenn man ein Weltklasse-Skiläufer wird. „Man muss für den Job so viel opfern, muss daher also echte Leidenschaft mitbringen… Man muss sehr, sehr viel trainieren und bereit sein, viel Zeit darauf zu verwenden. Man muss zu Parties etc. nein sagen und in der Lage dazu sein, sich ganz auf eine Sache zu konzentrieren.“

Während Junioren Koelliker gegenüber geäußert hatten, dass es ok für sie sei, 70 Prozent ihrer Zeit mit Arbeiten zu verbringen und ihnen erst 100 Prozent zu viel seien, sagten die Befragten bei Annink, dass es sie vor allem stört, im Büro zu sein, wenn das nicht wirklich notwendig sei. Eine First-Year-Analystin beobachtete, dass es rund um Live-Deals wirklich viel zu tun gäbe, beklagte aber, dass männliche Kollegen oft einfach aus Prinzip darauf bestehen, dass gearbeitet wird. „Ich hatte mit so einem Idioten zu tun – so ein Typ, der um 4 Uhr morgens Unternehmensprofile durchgehen und alle Zahlen überprüfen wollte. Und dann wurde das Dokument im Meeting gar nicht verwendet. Das war die totale Zeitverschwendung”, berichtete sie.

Im Vorwort zu ihrer Arbeit schreibt Annink, dass das Banking für Frauen leichter zugänglich werden solle und dass es „schade“ sei, dass es nicht mehr Frauen gibt, die in die Branche gehen. Sie stellt allerdings auch fest, dass einige Einsteigerinnen mehr Wert als ihre männlichen Counterparts darauf legen, Arbeit und Privatleben zu trennen. Wenn man 80 Stunden pro Woche arbeitet und keine Zeit für irgendetwas anderes bleibt, kann das schwierig werden.

Einige männliche Analysten berichteten, dass ihre Kollegen zu Freunden geworden seien und Arbeits- und Privatleben „ineinander übergehen“ und dass sie auch außerhalb der Arbeit mit Kolleginnen und Kollegen zusammen sind. Ganz im Gegensatz dazu berichtete eine weibliche VP Annink, dass sie versuche, die beiden Bereiche „strikt zu trennen“. Zeit mit Kolleginnen und Kollegen zu verbringen, lasse die Grenze zwischen Arbeit und Freundschaft verschwimmen und führe dazu, dass man als Führungskraft weniger effektiv sei. „Für mich funktioniert das so am besten, denn so kann ich direkter und klarer sein.“

Das Bedürfnis von Frauen, Arbeit und Freundschaft zu trennen, ist problematisch: Männliche Banker berichteten Annink, dass sie höhere Boni bekommen hätten, weil sie intern so beliebt seien. Als Analyst oder Associate hänge der eigene Erfolg zu 70 Prozent von Analyse- und Präsentationsskills ab – um Top-Bewertungen zu bekommen, brauche man allerdings auch eine „feste Unterstützergruppe“, die sich für einen einsetzt, so berichtet ein männlicher Banken-Junior. „Gemocht zu werden“ sei ein wichtiger Faktor für männlichen Erfolg.

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