Geschichten von kaltschnäuzigen Vorgesetzten und Jung-Bankern, die kurz vorm Zusammenbruch stehen

eFC logo
Geschichten von kaltschnäuzigen Vorgesetzten und Jung-Bankern, die kurz vorm Zusammenbruch stehen

Dass man als junger Investmentbanker wahnsinnig viel arbeitet, hat verschiedene Gründe – ob vergebliches Pitchen oder parallel laufende Live-Deals, kann aber auch daran liegen, dass die Vorgängergenerationen nach Vergeltung trachten. Die, die in den Banken mittlerweile Managing Directors sind, haben in ihrer „Lehrzeit“ ähnlich viel gearbeitet. Jetzt sind sie älter sind und versuchen, keine Wampe zu kriegen – und da verschafft es Genugtuung, die vorzeitige Alterung der heutigen Jung-Analysten zu befeuern.

Entweder liegt es daran – oder daran, dass es ihnen einfach egal ist. Laut einem langen Artikel im New York Magazine ist beides vorstellbar.

Das Magazin hat verschiedene Mitglieder der anonymen Goldman Sachs 13 aufgespürt, die dieses Jahr in einer Umfrage zu den Arbeitsbedingungen ihre überbordenden Wochenarbeitszeiten thematisiert hatten. Sie erklären, dass nicht beabsichtigt war, dass die Umfrage nach außen dringt. Nachdem die Führungskräfte bei Goldman Sachs aber anfangs wenig verständnisvoll gewesen seien, wäre ohne den medialen Aufruhr nichts passiert.

Die Präsentation zur „Working Conditions Survey“, die im März 2021 durch Goldman Sachs geleaked wurde, basiert auf einer Umfrage, die zehn Monate vorher – im Mai 2020 – unter TMT-Analysten im Unternehmen durchgeführt worden ist. Seither hatten die Jung-Banker versucht, das Ganze intern zu nutzen: So wurden die Ergebnisse im Rahmen eines Zoom-Calls einem Vorgesetzen präsentiert, der sich gleichgültig gab. Dann versuchte man es bei einem Partner von Goldman Sachs, der entgegnete, dass es keine große Sache sei, wenn man keine Zeit hätte, um Lebensmittel einzukaufen (vorangegangen war, dass Goldman Sachs den Zuschuss für Essen auf Bestellung im Home Office eingestellt hatte). Er selbst, so der Partner weiter, habe „als ich Analyst immer Ramen-Nudeln gegessen“. „Macht euch einfach ein paar Ramen in der Mikrowelle, dann passt das.“ Nächste Station war ein führender Manager, der das Ganze angeblich an CEO David Solomon weitergegeben hat. Und noch immer tat sich nichts.

Nicht nur bei Goldman Sachs läuft es so. Bei Citi hat CEO Jane Fraser zwar mit großem Aufwand „zoom-freie“ Freitage eingeführt und Analysten haben am Memorial-Day-Wochenende im Mai vier Tage frei bekommen, und doch berichteten Analysten dem New York Magazine, dass Frasers Anordnungen von den Managing Directors torpediert würden. „Wir bekommen fünf Minuten später eine E-Mail, in der es heißt: ‚Für unsere Gruppe gilt das nicht'“, so ein Citi-Mitarbeiter. Ein anderer Analyst hatte seinem seinem VP mitgeteilt, dass er gerade mit Corona ins Krankenhaus eingeliefert werde, und bekam dann per Mail die Antwort: „Auszeit geht nicht! Er sagte: ‚Oh, danke, dass Sie mir Bescheid gesagt haben. Ich habe tatsächlich eine neue Aufgabe für Sie‘.“

Auf unserer Facebook-Seite wurde vor Kurzem kommentiert, dass man sich eine Bankkarriere so vorstellen soll, als säße man auf einem Piratenschiff fest, das um die Welt fährt. Ein Distressed Debt Trader, der laut NY Magazine früher bei Goldman Sachs gearbeitet hat (der aber in Wirklichkeit anscheinend bei Barclays war), bringt genau das auf den Punkt: Er sitzt am Schreibtisch mit einer Tasse, auf der „F*cker in Charge of You F*cking F*cks“ steht, und erklärt, dass die Arbeitszeiten eine Selbstverständlichkeit seien und Junior-Banker diese hinnehmen müssten ohne zu murren. „Es ist so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz, etwas, worüber man nicht spricht. Man muss sich einfach zusammenreißen und es durchziehen…“

Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share?Contact: sbutcher@efinancialcareers.com in the first instance. Whatsapp/Signal/Telegram also available (Telegram: @SarahButcher)

Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

Ähnliche Artikel

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close