Unbegrenzt viele Urlaubstage für Goldman-Sachs-MDs haben einen Haken

eFC logo
Unbegrenzt viele Urlaubstage für Goldman-Sachs-MDs haben einen Haken

Goldman Sachs hat seine Urlaubstageregelung verändert. Der Telegraph berichtete als erster, dass Partner und Managing Directors (MDs) bei Goldman Sachs seit dem 1. Mai unbegrenzt viele Urlaubstage nehmen dürfen. Jüngere Beschäftigte bei Goldman Sachs kriegen hingegen einfach ein paar Urlaubstage zusätzlich.

Vordergründig wirkt das ermutigend und erfrischend und stellt Goldman Sachs auf eine Stufe mit anderen zukunftsorientierten Unternehmen, die unbegrenzt Urlaubstage gewähren und Angestellte selbst über ihre Ferien bestimmen lassen (Netflix, LinkedIn). Und es erweckt den Anschein, dass Goldman Sachs seinen Mitarbeitenden mit Vertrauen begegnet – anders als etwa HSBC, wo man 2016 genau erfasste, was MDs Tag für Tag taten.

Allerdings ist die neue Großzügigkeit vielleicht nicht ganz so, wie sie scheint. Wie erwähnt, haben bislang sowieso nur wenige Goldman-Sachs-Beschäftigte ihren gesamten Urlaub genommen – wenn jetzt die Tür zu unbegrenztem Urlaub aufgestoßen wird, ist kaum mit einem Run auf die Strände zu rechnen. Die zusätzlich gewährten Urlaubstage sind reine Kosmetik. Als MD bei Goldman Sachs ist man ohnehin nicht Herr über seine Zeit, sondern die Zeit gehört dem Kunden. So sagte James H. Donovan, Chairman of Global Client Coverage bei Goldman Sachs, bekanntermaßen vor sechs Jahren: „Man muss in der Lage sein, den Kunden an erste Stelle zu setzen. Sie müssen für den Kunden da sein, wann immer er Sie braucht.“ Auch im Urlaub muss man erreichbar sein, und wenn der Kunde einen wirklich braucht, muss man den Urlaub abbrechen und hinfahren. Im Investmentbanking sind MDs ohnehin einen Großteil ihrer Zeit unterwegs, was insofern als eine Art Urlaub betrachtet werden kann, als dass Hotels und Flüge dazugehören.

Leitendes Personal bei Goldman Sachs ist also lang nicht so frei, wie die Richtlinie suggeriert, und im Hinblick auf die Mitarbeiterbeziehungen ist die neue Regel ein Eigentor. Goldman-Sachs-Beschäftigte auf Vice-President-Ebene und darunter haben Grund, verärgert zu sein: Sie bekommen nicht unbegrenzt viele Urlaubstage, sondern nur zwei Tage zusätzlich – außerdem scheint die bisherige Regel, wonach man zehn Urlaubstage ins neue Jahr mitnehmen durfte, gestrichen zu werden. Jetzt soll nichts mehr mitgenommen werden dürfen.

Die neue Regel bedeutet, dass Goldman Sachs leitendem Personal zutraut, zu tun, was man möchte, dass jüngere aber nach wie vor sorgsam kontrolliert werden. Manch jüngerer Mitarbeiter wird sich vielleicht an den Vorfall im Jahr 2020 erinnern, als Goldman-Sachs-CEO David Solomon bei einem Mittagessen in einem Restaurant auf den Hamptons einige Associates sah und daraus scheinbar folgerte, dass die Arbeit im Home Office ihnen zu viele Freiheiten gab. Andere regen sich vermutlich darüber auf, dass Goldman Sachs in den letzten Jahren seinen höherrangigen Mitarbeitenden diverse Benefits gewährt hat, ob in Form von exklusivem Zugang zu Co-Investitionen zu den eigenen Privatfonds oder als zusätzliche Zahlungen für Partner.

Zugegeben, den Junior-Bankern bei Goldman Sachs ist es in letzter Zeit auch nicht schlecht ergangen, aber die Plackerei fordert dennoch ihren Tribut. Es sind die Junior-Banker, die sich über 100-Stunden-Wochen beschweren und sie sind es, die zu Private-Equity-Fonds und Start-ups wechseln. Die neue Urlaubsregel trägt nicht viel dazu bei, sie zu besänftigen – wenn überhaupt, scheinen sie schlechter dran zu sein. In Tech-Unternehmen ist das anders: Bei Netflix etwa gelten die unbegrenzten Urlaubstage nicht nur für hochrangige Beschäftigte, sondern für alle.

Klicken Sie hier, um sich bei eFinancialCareers zu registrieren und von Top-Recruitern im Finanzbereich entdeckt zu werden.

Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share?

Contact: sbutcher@efinancialcareers.com in the first instance. Whatsapp/Signal/Telegram also available (Telegram: @SarahButcher)

Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

Ähnliche Artikel

Close