Big Four Boss zu Consultants: Nicht über Arbeitszeiten jammern

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Big Four Boss zu Consultants: Nicht über Arbeitszeiten jammern

Wenn die Stimmung ohnehin gereizt ist, kann eine unbedachte Bemerkung enormen Schaden anrichten. Bill Michael, dem Chairman von KPMG UK dürfte dies klargeworden sein, als er im Rahmen eines Townhall Meetings mit dem Financial Services Consulting Team von „mit dem jammern aufhören“ und „die Opferkarte spielen“ gesprochen hatte. Die App, über die Mitarbeiter anonym Live-Kommentare abgeben konnten, sei „zumindest bei einigen zusammengebrochen“ (KPMG bestreitet dies), und trotzdem kamen via App noch einige Rückmeldungen durch, aus denen hervorging, was die Mitarbeiter dachten – etwa, dass Bill Michael mit seinem Gehaltspaket von 1,7 Mio. £ (2,4 Mio. $) wohl anders motiviert sein dürfte als der Rest der Belegschaft.

Wie im Banking sind auch in der Beratung die ersten Monate des Jahres Hochsaison – auf Kundenseite werden die Budgets festgezurrt, es gilt alte Aufträge abzuarbeiten und gleichzeitig neue Beauftragungen zu sichern. Es ist die Zeit des Jahres, in der Arbeitszeiten einen ähnlich wahnwitzigen Umfang erreichen können wie bei Leuten im M&A – allerdings in der Regel für deutlich weniger Geld. Außerdem hätte es unter den KPMG-Consultants Sorge um mögliche Gehaltskürzungen, reduzierte Boni und Zahlungen zur Altersvorsorge sowie um ein neues, von oben aufoktroyiertes System zur Leistungsmessung gegeben. In einer solchen Situation ist die Stimmung im Raum (respektive Zoom) förmlich mit Händen zu greifen.

Unmittelbar im Anschluss folgte eine Entschuldigung, die durchaus ernstgemeint schien: „Es tut mir Leid, dass ich diese Worte so gewählt habe, denn sie spiegeln nicht das wieder, woran ich glaube. Ich habe meine Kollegen um Entschuldigung gebeten“, erklärte Bill Michael noch am selben Tag. Dass man sich bei KPMG um Mitarbeiter kümmern will, belegt eine Reihe von Maßnahmen. Neben „Ressourcen für die psychische Gesundheit“ (darunter die Möglichkeit, sich für Zwecke der Pflege unbegrenzt freistellen zu lassen sowie eine – mittlerweile fast allgegenwärtige – Achtsamkeits-App) gibt es eine weitere, sehr greifbare Geste: Die Partner verzichten auf 11 Prozent ihres Gehalts, um Arbeitsplätze zu sichern und weiterhin das Einstellen von Nachwuchskräften zu ermöglichen. Außerdem wurden sogenannte „Pods“ organisiert, damit Mitarbeiter, die zu Hause Kinder unterrichten müssen, Ressourcen gemeinsam nutzen können.

Trotz allem scheint hier ein Schaden angerichtet worden zu sein, der noch lange nachhallen könnte. In der Erklärung von KPMG hieß es, dass es „keine Pläne“ gebe, die Zahlungen zur Altersvorsorge zu kürzen, und dass Boni und Beförderungen „wie üblich“ gehandhabt würden. Zu den „rank-and-yank assessments“ findet sich allerdings keine Äußerung. Und das, obwohl diese durchaus umstritten sind, weil sie ein Nullsummenspiel heraufbeschwören – nicht zu unrecht munkeln Mitarbeiter, dass es hier am Ende nur darum geht, leistungsbezogene Prämien niedrig zu halten.

Unternehmen, das ein solches System einführen, müssen sich klarmachen, was dies für die Stimmung bedeutet. Wirklich funktionieren wird es in der Regel nur dann, wenn Unternehmenskultur und Teamgeist stark ausgeprägt sind. Ist das nicht der Fall, muss das Top-Management die Wogen glätten und Mitarbeitern das Gefühl geben, dass sie tatsächlich respektiert werden.

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