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„VPs und Directors bei Banken sind überflüssig – die Kompetenzen sind komplett ins Ausland verlagert worden“

Ich arbeite seit 15 Jahren im Bankwesen und je länger ich in der Branche bin, desto irrationaler und schlechter wird sie geführt. 

Wenn du es im Investmentbanking mehr als fünf oder sechs Jahre lang aushältst, wirst du  Vice President (VP) und anschließend Director. An diesem Punkt deiner Karriere wirst du viel Geld verdienen – doch warum das so ist, ist nicht immer klar. 

Wenn du im Bereich M&A arbeitest, stellst du deinen Wert dadurch unter Beweis, dass du Deals anbahnst. Wenn du aber in anderen Bereichen tätig bist, etwa im Firmenkundengeschäft oder als Banker der mittleren Ebene im Bereich Syndicated Loans, dann gehört es nicht zu deinen Aufgaben, Deals anzubahnen. Du arbeitest auch nicht in der Fundamentalanalyse, denn die ist mittlerweile größtenteils an Analyseteams ausgelagert worden, die in zentralisierten Funktionen an kostengünstigen Standorten sitzen.

Was bleibt da noch übrig? Bei vielen Banken besteht die Rolle der VPs heute in erster Linie darin, als Briefkasten zu fungieren. Du lässt die Arbeit in Offshore-Zentren machen und kassierst die Lorbeeren. Die Managing Directors (MDs) der alten Schule haben den Anschluss verpasst und merken nicht, wie sehr sich die Dinge verändert haben. Die exzellenten Analysten in den zentralen Funktionen haben keinen Überblick, so dass die Person, die der Briefkasten ist, den Eindruck erwecken kann, die entscheidende Komponente im System zu sein. Das ist sie aber nicht. Und doch gibt es Jahr für Jahr entsprechende Beförderungen.

Während Kompetenzen in London, New York und Hongkong ausgehöhlt werden, wird von Beschäftigten in den zentralen Funktionen an Offshore-Standorten immer mehr erwartet. In London gibt es Analysten, die keine Ahnung von Unternehmensfinanzierung haben, aber von den Leuten in den zentralen Funktionen wird erwartet, dass sie sich mit den technischen Aspekten jedes Produkts sowie mit der Rechnungslegung, den Vorschriften und der Regeln der Bank auskennen. Und dennoch werden sie fast nie über die VP-Ebene hinaus befördert. 

In der Branche sind die Namen dieser hervorragenden Leute aus den Offshore-Standorten unbekannt. Die MD wissen nicht, wer sie sind, und der HR-Bereich versteht nicht, was passiert.

Die Leute in den großen Finanzzentren schützen ihre eigenen Leute. Bei meiner Bank gibt es zehn 10 MDs, die in demselben Land, Produkt und Sektor doppelte Arbeit leisten. Sie alle haben ihre Lieblings-VPs, die sie zum Director befördern wollen. Keiner dieser VPs hat wirklich respektable technische Kompetenzen. Jeder von ihnen ist darauf spezialisiert, die Arbeit an die zentralisierten, ausgelagerten Funktionen abzuwerfen. Die Situation ist verrückt. Aber anscheinend will es niemand ansprechen.

Lalita Ghosh ist ein Pseudonym

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AUTORLalita Ghosh

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