„Ich bin Managing Director bei einer Bank. Meine jungen Kollegen hassen mich und denken, dass ich reich bin.“
Irgendwas im Investmentbanking stimmt nicht mehr. Ich arbeite seit über zehn Jahren in diesem Sektor und nie waren Nachwuchskräfte mir gegenüber so feindselig wie heute.
Es ist heute schwieriger als je zuvor, Analysts und Associates dazu zu bringen, die Überstunden zu machen, die nötig sind, damit die Arbeit erledigt wird. Erkläre ich, was von ihnen erwartet wird, schlägt mir sofort eine Welle an Widerstand entgegen.
Oft zeigt sich dieser Unmut eher in der Haltung als in Worten oder Taten, doch manchmal ist er so deutlich, dass ich mich regelrecht bedroht fühle.
Besonders spürbar war das vor etwa einem Jahr, als es zu Entlassungen kam, die auch einige Juniors aus meinem Team betrafen. Ich wurde dafür verantwortlich gemacht, obwohl die Entscheidung außerhalb meines Einflusses lag.
Ich glaube nicht, dass junge Leute im Banking wirklich verstehen, was es bedeutet, Managing Director (MD) zu sein.
Ich bin Linien-MD, kein Business Head. Ich habe viel weniger Macht und Geld als meine Juniors denken. Ich verdiene keine Millionen. Ich habe kein glamouröses Leben. Ich wohne mit meiner Frau und meinen Kindern in einem bescheidenen Haus und fahre ein schlichtes Auto. Ich stehe ständig unter Druck und kämpfe permanent um meinen Job. Diese Branche ist längst nicht mehr das, was sie einmal war – seit Lehman wird auch viel weniger Geld verdient.
Eine bestimmte Kohorte von Juniors scheint das nicht zu begreifen. Vor allem jene, die während der Pandemie angefangen haben (und inzwischen gar nicht mehr so juniorig sind), treten besonders aggressiv und frustriert auf. Ich verstehe, woher dieser Ärger kommt: Erst gab es extrem viel zu tun, dann brach es abrupt ein. Viele von ihnen haben miterlebt, dass ihre Freunde entlassen wurden.
Sie geben mir die Schuld. Aber so funktioniert diese Branche nun mal. Ich selbst bin immer wieder entlassen worden, habe aber nie meinen Vorgesetzten dafür verantwortlich gemacht. Ich habe nie Ressentiments gehegt, nur weil mein Chef mehr verdient hat als ich.
Ich bin bei einer alleinerziehenden Mutter mit Sozialhilfe aufgewachsen. Ich weiß, wie hart das Leben sein kann. Aber hört endlich auf mit dem Hass.
Ryan Booth ist Managing Director bei einer Investmentbank und schreibt unter Pseudonym
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