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So kriegst du einen Job im Venture Capital

Venture-Capital-Firmen (VC) investieren in neue, schnell wachsende Start-ups.

Die Kultur bei VC-Firmen ist weniger steif als bei klassischen Jobs im Private Equity. Es wird aber auch weniger gut bezahlt.

VC-Firmen können Carried Interest zahlen, was aber selten passiert. Exits lassen lange auf sich warten – und die meisten Start-ups scheitern.

Streng genommen ist Venture Capital ein Teilbereich des Private Equity: Wie große Private-Equity-Firmen (PE) investieren auch VC-Firmen in Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Bei einem VC zu arbeiten ist aber dennoch komplett anders als etwa bei PE-Häusern wie Blackstone oder Carlyle.

Was ist Venture Capital?

Venture-Capital-Firmen investieren traditionell in junge Unternehmen und halten dabei – wie die jeweils anderen Investoren – nur eine Minderheitsbeteiligung. Klassische PE-Firmen investieren dagegen eher in reifere Unternehmen und übernehmen die Mehrheit an ihren Portfoliounternehmen. PE-Firmen sind meist stärker spezialisiert, zumindest von Fonds zu Fonds, während VCs eher breit aufgestellt sind.

Der größte Unterschied zwischen VCs und PE-Firmen besteht in ihrem Anspruch, die jeweiligen Gründer:innen zu unterstützen. So sagte Luke Pappas, Partner bei New Enterprise Associates, auf der Alternative Investments Conference (AIC) der LSE im Februar 2026: Im VC geht es darum, „im Gründerteam nach der Geheimzutat zu suchen“ und „die Überzeugung zu haben, dass genau dieses Team die Dinge verändern wird“. Diese Überzeugung braucht man, denn „alle Unternehmen, die uns interessieren, sind in den ersten Jahren zwangsläufig unprofitabel“. Gründer:innen sehen die Einmischung von VCs nicht immer positiv. Joel Perlman, Mitgründer der Fintech-Bank OakNorth, sagt 2024 auf einer Konferenz, dass Gründer oft „Kool-Aid trinken“ und ihr Unternehmen „gegen die Wand fahren“, weil sie zu sich den Forderungen ihrer VCs unterwerfen.

Manche VCs mischen sich deutlich stärker ein als andere. Firmen wie Y Combinator gelten als Start-up-Inkubatoren: Sie sind direkter am Tagesgeschäft der Start-ups beteiligt und führen sogar potenzielle Gründer:innen zusammen.

VCs haben den Ruf, die Bewertungen ihrer Portfoliounternehmen aufzublasen. Pappas sagt: „Viele meiner Freunde bei Hedgefonds und Private-Equity-Firmen schreiben mich an und sagen, dass wir bei der Preisfindung nicht besonders rational vorgehen.“ Er sagt allerdings auch, dass sich bei vielen der besten VC-Investments nur kurz ein Zeitfenster öffnet und man deshalb eine überhöhte Bewertung akzeptieren muss: „Wenn dieses Unternehmen langfristig zehn Milliarden Dollar wert ist, spielt das kaum noch eine Rolle.“

Das Fundraising im VC ist nicht mehr das, was es mal war. Der Buchhaltungsinfrastruktur-Anbieter Carta berichtet, dass über die Plattform letztes Jahr insgesamt 110 Milliarden Dollar in Start-ups geflossen sind. 2021 waren es 220,3 Milliarden Dollar. Das Wall Street Journal berichtete im Januar, dass das Fundraising bei US-VC-Firmen 2025 so niedrig war wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Fonds haben deutlich weniger Spielraum für Fehler – das setzt VC-Fachleute zusätzlich unter Druck.

Was genau macht man im Venture Capital?

„VCs sind nicht glamourös“, sagt Hannah Leach, Partner bei Antler, auf der AIC. „Ehrlich gesagt ist es ziemlich viel Verwaltungskram.“ Du sitzt in zahlreichen Meetings für deine Portfoliounternehmen und recherchierst nach potenziellen Neuen. Wer neue Geschäfte gewinnen will, brauche laut Leach „ein Händchen dafür, Cold Emails zu schreiben“.

Deine Aufgabe ist es, im Start-up-Dschungel das Wesentliche zu erkennen. Pappas sagt: „Jeden Tag öffne ich meine News-App und sehe 15 verschiedene Produkte, die angeblich die Welt verändern.“ Laut Leach kommt es im VC vor allem darauf an, die eigenen Hausaufgaben zu machen und „unabhängig von der Anlageklasse gut informiert in Gespräche zu gehen“.

Nadja Reischel, Principal bei Cherry Ventures, sagt: Man muss nach „Gründern suchen, die total besessen von ihrem Produkt sind“ – denn diese Besessenheit trägt sie durch die nächsten zehn Jahre im Start-up. Außerdem musst du einschätzen, wie schnell sie lernen und wie gut ihr Geschäftssinn ist. „Man will Leute, die nicht mit 20, sondern mit 2.000 potenziellen Kunden sprechen“, sagt Reischel.

Das bedeutet in der Regel lange Arbeitstage. Leach sagt: „Work-Life-Balance gibt es im VC eigentlich nicht. Man muss Lust darauf haben, um 7 Uhr aufzustehen und bis Mitternacht durchzuarbeiten.“ Reischel sagt: „Venture ist so ziemlich rund um die Uhr.“ Sie deutet an, dass sie seit ihrem Einstieg bei der Firma nicht mal sonntags frei hat.

Im VC gibt es viel mehr Geschichten vom Scheitern als Erfolgsstories. Etwa die britische Fintech-Szene: Laut der Marktanalyse-Plattform Tracxn wurden in Großbritannien bisher 18.000 Fintech-Start-ups gegründet. Nur 30 davon sind zu Unicorns geworden – also zu Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar –, und fast 6.000 gibt es nicht mehr. Das Ziel im VC ist, ein breites Netz auszuwerfen und in viele Start-ups zu investieren, und darauf zu setzen, dass die wenigen Unicorns die Verluste der Fehlschläge ausgleichen.

Welche Fähigkeiten und Erfahrungen suchen VC-Firmen?

Um im VC erfolgreich zu sein, musst du gut mit Menschen umgehen können – aber das ist nicht alles.

Laut Pappas passt man gut in einen VC, wenn „das Gehirn gern ständig den Kontext wechselt“, denn man arbeitet mit sehr unterschiedlichen Produkten und Teams. Leach zufolge muss man außerdem „gut in Psychologie sein“.

Shayan Roy Chowdhury, MD bei der VC-Bildungsplattform Newton Venture Program, nennt in unserer Community The Bubble als wichtigste Fähigkeiten „kritisches Denken, die Fähigkeit, groß zu denken, Beziehungsaufbau, Zeitmanagement und klare Kommunikation“. Ein Investor aus einem VC in Großbritannien schreibt in The Bubble, dass man sich im VC viel weniger auf „‚traditionelle‘ Bewertungsmethoden“ stütze als im Private Equity. Dafür brauche es Menschenkenntnis, denn man „setzt auf die beteiligten Personen, damit sie liefern können“.

Laut dem Investor suchen VCs für Rollen als Operating Principal – also Leute, die im Tagesgeschäft der Portfoliounternehmen mitarbeiten – im Wesentlichen drei Profile. Gesucht werden Fachleute für bestimmte Branchen, die „den Finger am Puls haben und oft an der Spitze neuer Trends stehen“. Dazu kommen „bewährte Operator“ – Leute, die in Start-ups gearbeitet und sie skaliert haben. Das sind oft Ex-Gründer:innen, Chief Operating Officers (COOs) oder Chief Revenue Officers (CROs). Das dritte Profil ist der „Functional Specialist“ für einen Bereich wie Recruiting, Go-to-Market (GTM) oder KI, der diese Funktion in mehreren Portfoliounternehmen gleichzeitig unterstützen kann. Neue Mitarbeitende können einem oder mehreren dieser Archetypen entsprechen.

Wie bei ihren Gründer:innen wollen VC-Firmen auch bei ihren Mitarbeitenden Leidenschaft sehen. Pappas sagt: Wenn du sie nicht hast, „gibt es 1.000 Leute, die sich wirklich dafür interessieren, und die werden besser sein als du“. Leach sagt: Für Absolvent:innen ist es besonders schwer, Leidenschaft zu zeigen. Sie rät, ein „Schattenportfolio aus Unternehmen aufzubauen, von denen du glaubst, dass sie sehr gut laufen werden“, um sich von anderen abzuheben.

Ein Finance-Hintergrund ist nicht immer erforderlich. Mish Mashkautsan, Partner bei LocalGlobe, sagt 2024 auf der AIC, dass „Standardwege“ wie Banking oder Consulting als Einstieg ins VC „wenig inspirierend“ sind. Stattdessen, so Mashkautsan: „Das Beste, was du tun kannst, ist, auf dich selbst zu wetten.“ Chowdhury schreibt in The Bubble, dass viele Leute zu VCs wechseln, nachdem sie in einem Start-up gearbeitet haben, etwa als Founder’s Associate oder Chief of Staff. Der Investor aus Großbritannien erklärt: Im VC ist man „etwas aufgeschlossener gegenüber nicht traditionellen Profilen, besonders in früheren Phasen“. Ein Ex-Banker, der heute im VC arbeitet, sagte uns bereits vor einiger Zeit, dass große Namen für einen VC-Job in Europa viel wichtiger seien als in den USA.

Welche Jobs gibt es im Venture Capital?

Anders als im PE haben die meisten VC-Firmen keine etablierten Recruiting-Programme für Praktikant:innen und Absolvent:innen. Es gibt Ausnahmen wie das Analyst-Programm von Bessemer Ventures, aber ansonsten sollte man die Karriereseiten der Firmen im Auge behalten, zu denen man gern möchte.

Auch bei den Top-Firmen gibt es nicht viele VC-Jobs. Andreessen Horowitz, eine der größten Firmen, hat zum Beispiel nur 16 offene Stellen. Y Combinator, ein weiterer großer VC, hat gerade einmal sechs. Sequoia Capital hat derzeit gar keine. Auf Jobs im VC kommen extrem viele Bewerber:innen, deshalb solltest du möglichst auf Kontakte setzen. Wenn du zur personenzentrierten Welt des VC passt, sollte das nicht schwerfallen.

Wie verändert KI das Venture Capital?

KI verändert VC-Firmen grundlegend, weil heute fast jedes Start-up in irgendeiner Form ein KI-Unternehmen ist. Die Technologie bietet enorme Chancen, etwa in aufstrebende KI-Labore zu investieren, bringt aber oft auch Chaos mit sich.

Die größten KI-Firmen sind in beispiellosem Tempo gewachsen: Anthropic wurde 2023 mit 4,1 Milliarden Dollar bewertet, inzwischen liegt die Bewertung bei fast einer Billion Dollar. Außerdem lässt sich durch KI so leicht wie nie ein Start-up aufbauen. Es gibt also viel mehr Unternehmen, in die VCs investieren können, und es ist deutlich aufwändiger geworden, zu entscheiden, welche das Geld wert sind.

Zu den größten Störfaktoren für VCs zählen heute „Reverse Acqui-Hires“: Dabei zahlen Unternehmen riesige Summen, um die wichtigsten Köpfe eines wachsenden Start-ups abzuwerben, ohne das Unternehmen selbst zu kaufen. Roxanne Varza, Director beim Start-up-Campus Station F, sagt auf dem Sifted Summit im vergangenen Jahr: Viele Gründer „denken nicht einmal an eine Exit-Strategie“ und behandeln ihr Start-up wie ein Vorsprechen, um von einem der KI-Giganten abgeworben zu werden. VCs, die in sie investiert haben, können dann auf einem wertlosen Unternehmen sitzen bleiben, wenn sie die Krise nicht in den Griff bekommen.

Während einige der größten Unternehmen Börsengänge planen, um ihren Investor:innen Liquidität zu verschaffen, spielt sich häufiger alles am Sekundärmarkt ab, wo Anteile an Unternehmen von einem privaten Investor an den nächsten verkauft werden. Garrett Marsilio, Partner bei Delta-v Capital, sagt dem Wall Street Journal: „In privaten Technologieunternehmen stecken Billionen von Dollar fest.“ Er erwartet eine „Explosion“ der Aktivität am Sekundärmarkt, weil Leute versuchen, Kasse zu machen – oder einzusteigen.

Das alles bedeutet: Der Druck auf VC-Investor:innen, das Rauschen auszublenden und in tragfähige, gesunde Unternehmen zu investieren, ist größer denn je. Zunehmend setzen sie dafür täglich KI ein. Laut einer Umfrage des CRM-Anbieters für Private Capital Affinity nutzen 2026 85 Prozent der Dealmaker KI, um tägliche Aufgaben zu automatisieren – nach 76 Prozent im Vorjahr. Am häufigsten hilft sie bei der Recherche zu Unternehmen, weil große Sprachmodelle (LLMs) komplexe Dokumente schnell verarbeiten können. 28 Prozent der Befragten geben an, KI auch für Investitionsentscheidungen zu nutzen, nach 13 Prozent im Jahr 2025.

Wie viel verdienst du im Venture Capital?

Laut einer Gehaltsumfrage von Venture5 aus dem Jahr 2026 verdienen Analysts im VC im Schnitt 80.000 Dollar. Als Associate bekommst du 130.000 bis 150.000 Dollar, auf mittlerer Karrierestufe rund 200.000 Dollar und durchschnittlich mehr als 300.000 Dollar, wenn du Partner wirst.

Ein zentraler Reiz der Arbeit im PE (und damit im VC) ist die Chance auf Carried Interest – also auf einen prozentualen Anteil an den Gewinnen, wenn der Exit eines Portfoliounternehmens groß genug ausfällt. Nur 24 Prozent der VC-Analysts geben allerdings an, Carry zu erhalten.

Als Partner hängt dein Gehalt davon ab, wie groß dein Fonds ist. Laut der Umfrage verdienten Partner bei VC-Fonds mit mehr als 500 Millionen Dollar verwaltetem Vermögen (AUM) insgesamt 585.000 Dollar. Bei einem AUM von 250 bis 500 Millionen Dollar lag die durchschnittliche Gesamtvergütun

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AUTORAlex McMurray Reporter

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