„Brexit zerstört das Banken-Recruitment in London. Lassen Sie sich nichts anderes erzählen“

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„Brexit zerstört das Banken-Recruitment in London. Lassen Sie sich nichts anderes erzählen“

Für Londoner Personalvermittler brechen harte Zeiten an – vor allem wenn sie aufs Banking spezialisiert sind. Dieser Ansicht ist zumindest Tom (Name von der Redaktion geändert), der seit einem Jahrzehnt ein Recruitmentunternehmen in der Londoner City leitet. „Unsere jungen Personalberater verlassen uns und suchen sich andere Jobs“, erzählt Tom. „Sie verdienen einfach kein Geld. Entweder wechseln sie zu Banken oder gleich in eine andere Branche.“

Für diesen Niedergang macht Tom den Brexit verantwortlich. „Diese Brexit-Sache zerstört unser Geschäft“, sagt er kopfschüttelnd. „Wer etwas anderes erzählt, raucht entweder einen Joint oder platziert Leute in IT-Jobs. Nachdem wir im vergangenen Jahr unser bestes Jahr überhaupt hatten, läuft dieses Jahr kaum etwas.“

Mit seiner Klage steht Tom nicht allein da. Headhunter Oliver Rolfe von Spartan International Executive Search in London sagt: „Sicherlich sinken die Neueinstellungen.“ Ein anderer Headhunter bezeichnet das Umfeld sogar als „sch**ße“: „Niemand ist bullisch und niemand gibt Geld aus. Es dreht sich alles nur um Kosteneinsparungen.“

Da helfen auch die hohen Kosten nicht weiter, die der Brexit den Banken verursacht. So hat die Bank of America erst heute bekräftigt, dass sie die Brexitvorbereitungen 400 Mio. Dollar kosten. Bei anderen Banken sehe es ähnlich aus. Das schwache Quartal verschlimmert die Sache besonders im Wertpapierhandel und im Anleiheemissionsgeschäft. Viele Banken warten auf eine Erholung der Märkte, bevor sie wieder offen für neues Personal sind.

Inzwischen scheint die Attraktivität Londons für ausländische Finanzprofis zu sinken. So sank die Zahl der Bewerbungen von kontinentaleuropäischen Kandidaten auf Jobs von eFinancialCareers in London seit 2016 um 37 Prozent. Aus Amerika belief sich das Minus auf 22 Prozent. Viele Talente suchen ihr Glück offenbar anderswo.

Doch was bedeutet dies für Finanzprofis in London? Laut Headhunter Russel Clarke von Figtree Search in London wollen Arbeitgeber derzeit nur „vielseitige oder technisch versierte Leute für ihren Vertrieb oder fürs Relationship Management einstellen und die besten IT-Experten.“

Wer das schwierige Jahr 2019 in London überstehen will oder sogar einen neuen Job finden möchte, der müsse eine passende Nische suchen und sich mit bescheidener Bezahlung abfinden. „Es gibt einfach nicht genügend Geld für allgemeine Neueinstellungen. Anders als in den USA konzentrieren sich die Banken in Europa auf Nischen und auf sehr spezielle Kompetenzen. Sie brauchen weniger Leute im Front Office.“

In dieser Situation versuchen die Banken in London laut Tom Kosten zu sparen, indem sie oben und unten Personal abbauen und sich an die Mitte klammern. „Wenn Sie einer von zwölf Absolventen sind, die im vergangenen Jahr angefangen haben und durch nichts aus der Masse hervorstechen, dann sollten Sie auf der Hut sein.“

„Wenn Sie 45 Jahre alt und gewöhnt sind, eine große Plattform zu verkaufen und Geld zu drucken, dann sollten Sie ebenfalls aufpassen“, ergänzt er. „Wenn Sie aber ein keine 35 Jahre alter Vice President sind und gutes Geld für ihre Bank verdienen, dann sind Sie auf der sicheren Seite.“

Selbstverständlich wird sich dies alles nach dem 29. März zum Besseren wenden. Rolfe ist tatsächlich vorsichtig optimistisch: „Es könnte einen Sprungbretteffekt geben, der zu Neueinstellungen führt, oder aber die aktuelle Situation wird zum neuen Status quo.“

Dagegen scheint die Bank of America von einem Anhalten der Sauregurkenzeit auszugehen. „Dublin ist jetzt der Hauptsitz für unsere europäische Bank – fertig“, sagte die Vizechefin Anne Finucane der europäischen Bank of America-Tochter. „Eine Rückkehr wird es nicht geben. Diese Brücke wurde abgebrochen… Was das Trading betrifft, wird dies jetzt von Paris aus erfolgen.“

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