Sollte Garth Ritchie bei der Deutschen Bank abmustern?

eFC logo
Sollte Garth Ritchie bei der Deutschen Bank abmustern?

Garth Ritchie dürfte in Kürze seinen Posten räumen. Die Financial Times hat gestern berichtet, der Abgang des Investmentbanking-Chefs und stellvertretenden Konzernvorstands der Deutschen Bank stehe kurz bevor. Es habe „Meinungsverschiedenheiten über die Einschnitte“ im Investment Banking gegeben. Die Deutsche Bank wollte den Vorgang nicht kommentieren und Ritchie beteuert, er werde sich weiter voll auf seine Aufgabe konzentrieren. Doch wenn erst einmal der Geist aus der Flasche ist, lässt er sich nicht so schnell wieder einfangen. Laut dem Handelsblatt sucht die Bank schon intern und extern nach einem Ersatz.

Doch sollte Ritchie die Bank verlassen? Tatsächlich gibt es innerhalb der Bank scharfe Kritiker. „Am 1. Januar 2016, als Ritchie in den Vorstand aufstieg, lag der Aktienkurs der Deutschen Bank noch bei 17 Euro. Heute sind es keine 6 Euro mehr“, klagt ein Managing Director der Deutschen Bank. „Er hat im Managementteam des Handels mit festverzinslichen Wertpapieren keine größeren Veränderungen vorgenommen“, kritisiert ein anderer Managing Director. „Bei den Führungsperspektiven ist er sehr gut und bei der Kameraderie sogar großartig. Abgesehen davon stützt er sich auf die gleichen Leute wie zuvor.“

Nachdem Ritchies Ruf bereits angeschlagen war, ist er seit der Veröffentlichung des Vergütungsberichts der Deutschen Bank im März weiter unter Druck geraten. Während die Deutsche Bank ihr Senior Management fürstlich entlohnte, regierte bei den übrigen Mitarbeitern der Rotstift. Ritchie konnte seine Vergütung auf 8,6 Mio. Euro verdoppeln, inklusive von 250.000 Euro, die er für das Brexit-Management erhielt. „Wir haben den Punkt erreicht, an dem die Führer der Bananenrepublik ihre Flugzeuge mit Geld beladen“, klagt ein Managing Director. „Führungskräfte direkt unter Garth sind bekannt dafür, sich am Bonuspool zu bedienen und das Front Office-Personal nicht angemessen zu bezahlen“, kritisiert ein anderer. Diesem Treiben müsse Ritchie Einhalt gebieten.

Doch die Investmentbanker der Deutschen Bank sollten bei ihren Wünschen etwas Vorsicht walten lassen. Denn zu Ritchies Zielen für 2018 zählte eine Neuausrichtung des Corporate and Investment Bankings, eine engere Zusammenarbeit mit den britischen Aufsichtsbehörden und eine Verbesserung der inneren Kommunikation und der Unternehmenskultur. An dieser Aufgabe scheint er zumindest teilweise gescheitert zu sein, denn seine Zielerreichung lag im vergangenen Jahr bei „nur“ 80 Prozent.

Wer immer Ritchie nachfolgen wird, dürfte wahrscheinlich das Investment Banking deutlich aggressiver neu ausrichten.

Und wer kommt für den Job überhaupt in Frage? Der ehemalige Investment Banking-Chef von Barclays Tim Throsby wäre verfügbar. Der ehemalige Chef des Corporate and Investment Bankings von Merrill Lynch Christian Meissner wäre ebenfalls verfügbar und wurde zuletzt in New York gesehen. Intern steht der Chef des Fixed Income-Geschäfts Ioannis Pipilis zur Nachfolge bereit, obgleich er unter den Investmentbankern der Deutschen Bank wenig populär ist. Der ehemalige Co-Chef des Investment Bankings Marcus Schenk dürfte unterdessen kaum zur Verfügung stehen, nachdem er in den Machtkämpfen an der Konzernspitze den Kürzeren zog. Außerdem hat er sich mittlerweile bei Perella Weinberg eingerichtet.

Schon die Diskussion über einen möglichen Abgang von Ritchie bei der Deutschen Bank spricht für die instabilen Verhältnisse im Konzern. Schließlich war Ritchie erst im März 2018 zum alleinigen Chef des Corporate and Investment Bankings befördert worden. Erst im September wurde sein Vertrag um fünf Jahre verlängert. Theoretisch sollte diese Zeit genügen, um einen Turnaround bei der Deutschen Bank zu bewerkstelligen. Tatsächlich scheint er aber nur mühsam voranzukommen. Nachdem Ritchie bereits im April mit seinem Abgang gedroht hatte, könnte er jetzt tatsächlich abspringen. In diesem Fall dürfte er allerdings auf eine Auszahlung seines Vertrages bestehen, was die Sache weiter verkompliziert. Wie soll Konzernchef Christian Sewing eine teure Abfindung für Ritchie rechtfertigen, wenn er gleichzeitig weiter auf die Kostenbremse drückt und den Bonus für 2019 zusammenstreicht? Gleich ob Ritchie geht oder nicht: In jedem Fall dürfte es sehr schmerzvoll werden.

Ähnliche Artikel

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close
Loading...
Loading...