Deutsche Bank: Weibliche VP soll wegen einer schwangeren Mitarbeiterin von einem Director schikaniert worden sein
Bei Banken wird aktuell viel Arbeit nach Indien ausgelagert und es scheint, als ob dort nun auch umstrittene Aspekte der Bankenkultur zum Vorschein treten.
Gestern schrieb der Ehemann einer Deutsche-Bank-VP in den sozialen Medien, seine in Indien lebende Frau würde von ihrem Director gemobbt und sei deswegen in Therapie.
Harish Prasad, selbst VP bei BNY Mellon, schreibt, dass es seiner Frau „psychisch schlecht gehe“, weil sie von ihrem Vorgesetzten entsprechend behandelt wurde. Prasad scheibt, ihr sei vorgeworfen worden, einer schwangeren Mitarbeiterin flexible Arbeitszeiten genehmigt zu haben. Sie sei als „schlechte Führungskraft“ bezeichnet worden. Der Director seiner Frau bei der Deutschen Bank habe gesagt, Schwangerschaften seien „Privatsache“ und kein Grund dafür, dass das gesamte Team „leiden müsse“.
Die Deutsche Bank hat über 22.000 Mitarbeitende in Indien und betreibt dort ihr größtes Technologiezentrum weltweit. Der Hauptsitz der indischen Niederlassung befindet sich in Mumbai, aber es gibt auch ein IFSC-Bankenteam in GIFT City. Die Bank lehnte eine Bitte um Stellungnahme ab, gibt aber an, dass man den von Prasad erhobenen Vorwürfen intern nachgehen werde. Man fühle sich „verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sich unsere Beschäftigten alle sicher fühlen“.
Prasad berichtet, dass das Mobbing des Directors nicht nur die mangelnde Bereitschaft betraf, auf schwangere Teammitglieder einzugehen. Er hätte geäußert, dass „niemand in meinem Team krank werden darf“. Prasads Frau habe er wegen ihres Asthmas als „fast behindert“ bezeichnet. Zudem, so Prasad, habe der Director Büropräsenz auch während der Monsunzeit erwartet, trotz Arbeitswegen „von drei Stunden“.
Weiterhin schreibt Prasad, dass seine Frau bei einem Townhall-Meeting vor allen angeschrien worden sei. Der Direktor habe gesagt, sie würde „das Team aufhetzen“, nachdem sie beklagt hatte, dass ihr nicht genug Anerkennung erhalte.
Als Prasads Frau das Problem an die Personalabteilung herantrug, soll diese geantwortet haben, dass es keine Beweise für ihre Behauptungen gebe, und sie beschuldigt haben, das Team einzuschüchtern. Prasad sagt, dass der Director seit dieser Entscheidung „sein rachsüchtiges Verhalten hochgeschraubt“ habe. Sie scheint dort nach wie vor zu arbeiten, offenbar im Bereich Data Engineering.
Einige Mitarbeitende der Deutschen Bank verteidigen die Bank. Ein männlicher VP im Zahlungsverkehrsbereich, der seit 18 Jahren bei der Deutschen Bank arbeitet, schreibt: „Das Arbeitsumfeld ist eines der besten“. Ein ebenfalls männlicher Ingenieur für Cloud-Migration erklärt, das Management der Bank sei „flexibel und freundlich“.
Die hohe Arbeitsbelastung von Beschäftigten in Indien ist leider immer wieder Thema. Ende letzten Jahres starb eine 26-jährige Mitarbeiterin des Audit-Teams der Big-Four-Firma Ernst & Young laut ihrer Mutter an den Folgen von Arbeitsüberlastung. Die Mutter erklärt, niemand aus dem Unternehmen sei zur Beerdigung gekommen. Letztes Jahr hatte eine Studie über indische Bankbeschäftigte ergeben, dass mehr als 80 Prozent der Befragten ein mittleres bis hohes Maß an Burnout aufwiesen.
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