„Ich bin Chief Compliance Officer. Ich überlege, zu kündigen“
Über das Berufsfeld Compliance und die einschlägigen Schwierigkeiten dort wurde hier schon häufiger berichtet – und daran möchte ich anschließen. Ich arbeite seit 18 Jahren in diesem Bereich und bin mittlerweile Chief Compliance Officer.
Falls du gerade in den Compliance-Bereich eingestiegen bist, lass dir sagen: Der Job wird nicht leichter. Auch als Führungskraft wird die Arbeit nicht weniger. Der Frust, den jüngere Compliance-Kolleg:innen haben, wird nicht kleiner, sondern größer.
Senior Compliance Officer zu sein, ist oft ein Albtraum. Die Arbeitslast ist uferlos, die Verantwortung erdrückt einen und man haftet persönlich.
Als Chief Compliance Officer trägt man für alles die Verantwortung, doch die Aufstiegsmöglichkeiten sind begrenzt. Großes Risiko, enorme Verantwortung – aber nur wenig Anerkennung und finanzielle Entschädigung.
Es gibt ein paar harte Wahrheiten. Compliance lässt sich nicht skalieren. Die Fähigkeiten, die einen guten Compliance Officer ausmachen, sind nur begrenzt übertragbar. Man bekommt keinen Carry, man profitiert nicht von der Performance-Seite, und man hat nicht die Möglichkeit, wie die Kolleg:innen im Front Office Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig öffnet die Erfahrung nur wenige Türen in andere Bereiche der Finanzwelt.
Compliance ist eine Falle. Hohes Risiko. Geringe Belohnung. Kaum Exit-Möglichkeiten.
Und dann ist da die Compliance-Kultur. Sie wird in jedem Townhall-Meeting und in jedem Geschäftsbericht gelobt, aber seien wir ehrlich: Lippenbekenntnisse sind billig. Alle sagen, Compliance sei wichtig – doch wenn die Budgets gekürzt werden, zeigt sich das whare Gesicht. Dann sieht man, welchen Stellenwert Compliance tatsächlich hat.
Ich frage Bewerber:innen nicht mal mehr, warum sie im Bereich Compliance arbeiten wollen. Diese Frage ist lächerlich. Wir alle kennen die Wahrheit: Die meisten von uns machen es, um die Rechnungen zu bezahlen. Ja, es gibt ein gewisses Gefühl von Sinnhaftigkeit, weil man Unternehmen schützt – das aber ist abstrakt und schlägt sich nicht im Bonus nieder.
Die Realität ist einfach: Compliance generiert keine Umsätze. Das bedeutet, die Entlohnung wird immer begrenzt sein – und viele von uns sind unzufrieden in ihrem Job, auch wenn wir es nicht immer laut sagen.
Was also tun? In meinem Fall habe ich begonnen, mich auf meine eigenen Investments zu konzentrieren. Ich baue mir etwas außerhalb von Compliance auf, das mir eines Tages Freiheit verschaffen könnte. Denn so viel ich dieser Profession gegeben habe – mein langfristiges Ziel ist simpel: Meine Kündigung einzureichen, zu gehen und endlich frei zu sein.
Dylan Trent ist ein Pseudonym.