Wem die Mitarbeiter davonlaufen: Was die Fluktuation bei Schweizer Banken bedeutet

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Wem die Mitarbeiter davonlaufen: Was die Fluktuation bei Schweizer Banken bedeutet

Bloß weg. Foto: Getty Images

Die Fluktuation sagt viel über Kultur, Krisen und Kämpfe einer Bank aus. Normalerweise fällt sie besonders hoch aus, wenn eine Bank beispielsweise Personal abbaut. Auch stellt sie für Kandidaten ein Warnzeichen dar. Allerdings generiert eine hohe Fluktuation auch viele Chancen für interne und externe Bewerber. Von daher stellt sie für arbeitssuchende Banker eine wichtige Kennzahl dar.

Die Unterschiede bei Schweizer Banken sind gewaltig. So fiel die Mitarbeiterfluktuation 2018 bei Safra Sarasin mit 13,9 Prozent besonders hoch aus, wobei sie sich gegenüber dem Vorjahr um fast drei Prozentpunkte verbesserte. Dies ist umso erstaunlicher, als bei Banken mit einem starken Wealth Management die Fluktuation besonders niedrig sein sollte, denn nach einer alten Brancheregel können Client Relationship Manager bei einem Arbeitgeberwechsel maximal 20 Prozent ihrer Vermögen mitnehmen.

Besonders hoch fällt die Quote auch bei den übrigen privatwirtschaftlichen Banken aus. Erstaunlicherweise lag die konzernweite Fluktuation bei der UBS mit 13 Prozent höher als beim kriselnden Erzrivalen Credit Suisse mit 11,4 Prozent. Auch bei Vontobel war sie mit 11,4 Prozent sehr hoch.

Trotz des Trubels um die ehemaligen Venezuela-Aktivitäten und Abwerbungen seitens der Konkurrenz bei Julius Bär, lag die Fluktuation nur bei 8,9 Prozent. Allerdings schnitt der Genfer Konkurrent Pictet mit 7,4 Prozent besser ab.

Die geringste Fluktuation weisen offenbar die Kantonalbanken aus. Bei der ZKB lag sie 2018 bei 6,3 und bei der St. Galler Kantonalbank sogar nur bei 5,6 Prozent. Doch auch bei den staatlichen Banken gibt es Ausreißer. So wies die Banque Cantonale Vaudoise aus Lausanne eine Fluktuation von immerhin 9,8 Prozent auf.

Namentlich bei den beiden Großbanken müssen die globalen Zahlen nicht viel über die Realitäten in der Schweiz aussagen. Von daher ist es höchst aufschlussreich, dass die UBS ihre Fluktuationsquoten detailliert aufschlüsselt.

So lag die Fluktuation in der Schweiz nur bei 11 Prozent, im asiatisch-pazifischen Raum und in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA) aber bei 16 Prozent. Die hohe Fluktuation in Asien lässt sich allerdings auch bei anderen Banken beobachten.

Wenig überraschend ist indes, dass die Fluktuation mit dem Alter abnimmt. Während sie sich bei unter 30jährigen auf 18 Prozent belief, waren es bei den 30- bis 50jährigen 11 Prozent und bei den über 50jährigen 9 Prozent. Zwischen Frauen und Männern gibt es dem Nachhaltigkeitsbericht der UBS zufolge keine Unterschiede.

Die hohe Fluktuation bedeutet jedoch auch, dass externe Kandidaten bei der UBS beste Chancen haben. So hat die Schweizer Großbank allein im vergangenen Jahr über 13.000 Mitarbeiter von außen angeheuert, wovon auf die Schweiz und die übrige EMEA-Region jeweils gut 3000 Mitarbeiter entfielen.

Freilich gibt es neben der externen auch interne Fluktuation. So haben bei der Credit Suisse beispielsweise 3270 Mitarbeiter intern den Arbeitsplatz gewechselt. Von den Führungspositionen Managing Director und Director wurde sogar jede zweite intern besetzt.

Ein wichtiger Unterschied ist auch, ob der Abgang freiwillig oder unfreiwillig erfolgte. Von der Fluktuation von 11,4 Prozent bei der Credit Suisse gingen beispielsweise 5,1 Prozentpunkte vom Unternehmen aus. Dagegen gingen bei Julius Bär von 8,9 Prozent 6,9 Prozentpunkte von den Mitarbeitern aus.

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