Die fetten M&A-Jahre sind vorbei: „Junge Leute sollten sich nach Alternativen umschauen“

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Die fetten M&A-Jahre sind vorbei: „Junge Leute sollten sich nach Alternativen umschauen“

Foto: Getty Images

Dank der niedrigen Zinsen und dem langen Aufschwung haben M&A-Beratungen und Private Equity-Gesellschaften einige fette Jahre hinter sich, was auch den einschlägigen Arbeitsmarkt befeuert hat. Vor allem Leute mit zwei bis sechs Jahren Berufserfahrung wurden lange händeringend gesucht. Doch das scheint sich jetzt zu ändern.

Laut dem Datenanbieter Dealogic haben die zehn größten M&A-Anbieter in Deutschland bis Erträge von 277 Mio. Euro generiert, während es in den Vorjahreszeiträumen 2018 und 2017 noch 334 bzw. knapp 423 Mio. Euro gewesen waren, was innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren einen Einbruch von über einem Drittel bedeutet. (Top 10, siehe unten)

„Ich habe mit diversen M&A-Boutiquen über ihre Einstellungspläne gesprochen“, berichtet Headhunter Thore Behrens von Banking Consult in Frankfurt. „Alle haben mir gesagt, dass sie entweder für das Jahr voll sind oder erst einmal die zum Teil schwierige Marktsituation abwarten wollen.“ Dies gelte sowohl fürs Junior- als auch fürs Senior-Niveau.

Die eng verwandte Private Equity-Branche ist bei dem Abschwung schon einen Schritt weiter. „Private Equity-Fonds heuern schon seit 12 Monaten kaum noch Personal an“, berichtet Behrens. „Allenfalls wird noch hochselektiv eingestellt.“

Die Preise der Zielunternehmen hätten längst ein Niveau erreicht, welches lukrative Investitionen immer schwieriger mache. „Darüber hinaus gibt es mittlerweile viele Büros ausländischer Private Equity-Fonds in Deutschland mit einem Senior und vielleicht noch einem Junior, die sich nach interessanten Targets umschauen“, berichtet Behrens. Wenn sie tatsächlich einmal ein interessantes Ziel finden, werden einfach die Kollegen aus London oder anderswo hinzugezogen.“ Diese Miniteams nähmen etablierten deutschen Playern das Geschäft weg.

„Generell ist das M&A-Advisory-Geschäft in Deutschland überbesetzt“, meint Behrens weiter. „Falls es tatsächlich zu einer Rezession komme, würden meiner Ansicht nach einige wirtschaftlich ins Straucheln geraten.“

Studenten mit dem Berufsziel M&A-Advisory oder Private Equity, aber auch junge Investmentbanker mit zwei, drei Jahren Berufserfahrung rät er zu einer beruflichen Neuorientierung. „Junge Leute sollten sich nach Alternativen umschauen. Ich würde mir genau anschauen, welches Skill-Set ich besitze und was ich anderes machen kann“, rät Behrens. Eine Alternative bleibe beispielsweise Corporate M&A.

Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt bestätigt die geringe Personalnachfrage seitens der Private Equity-Gesellschaften. „Die Teams in Private Equity sind mittlerweile sehr gut besetzt, weshalb viele keinen weiteren Personalbedarf haben“, meint Tamm. „Und wenn weniger Mitarbeiter Private Equity-Gesellschaften verlassen, gibt es auch weniger Chancen für junge Investmentbanker, die in jene Branche wechseln wollen.“

Dennoch beobachtet Tamm seitens der Investmentbanken und Boutiquen eine anhaltende Nachfrage für die Karrierelevel vom Senior Associate bis zum Vice President. Die Nachfrage aus Private Equity sei indes gering. Zu kämpfen hätten die Unternehmen in den Bereichen Automotive und Maschinenbau, wo das Geschäft eingebrochen sei. Umgekehrt würde der wachsende Sturkutierungsbedarf sich vorteilhaft auf den Arbeitskräftebedarf auswirken.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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