Private Equity als „gelobtes Land“? Achtung!

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Private Equity als „gelobtes Land“? Achtung!

Junge Leute gehen erstmal zu einer Investmentbank. Wenn sie merken, wie das Leben dort wirklich ist, gehen sie ins Private Equity. Aber wenn es im Private Equity nicht klappt, was dann?

Ich bin seit vielen Jahrzehnten in der Branche tätig und habe miterlebt, wie sich das Recruiting im Private Equity entwickelt hat. Am Anfang ging es in Private-Equity-Unternehmen um „passgenaue“ Neueinstellungen – es winkten höhere Gehälter, bestimmte Jobtitel und vielleicht die Aussicht auf eine schnelle Beteiligung an den Deals, die man begleitete. Und es schienen nicht ganz so viele Überstunden anzufallen wie im Bulge-Bracket-Investmentbanking.

Vor etwa zehn Jahren allerdings fingen Private-Equity-Unternehmen damit an, immer mehr Kapital zu beschaffen. Um das Arbeitsvolumen zu bewältigen, brauchte man immer mehr Junior-Mitarbeiter. Die Arbeit war ähnlich wie im Banking – gefragt waren Recherchen und Vorarbeiten für Angebote der Private-Equity-Unternehmen. Zwei Jahre Erfahrung (oder vielleicht sogar weniger) als Analyst bei einer Bulge-Bracket-Bank waren mehr als ausreichend dafür, dass neue Mitarbeiter sich die nötigen Skills schnell aneigneten.

Junior-Banker ihrerseits waren gern bereit, die Verlockungen des Private Equity anzunehmen – Unternehmen dieser Art und eine Stelle dort galten als etwas Besonderes. Die Aufgaben waren immer noch anspruchsvoll, gleichzeitig erlebten Junior-Banker, dass man es in einer Investmentbank auch als Associate nicht viel besser hatte als Analysten.

Zehn Jahre später sehe ich, wie Freunde meines Sohns von Private-Equity-Unternehmen umgarnt werden. Heutzutage sind Private-Equity-Fonds regelrechte Recruiting-Maschinen: Sie versuchen Banking-Analysten abzuwerben, auch wenn diese ihren Job gerade erst angetreten haben – es kommt vor, dass diese nach nicht einmal 12 Monaten bei der Bank schon wechseln. Wenn sie dann aber im „gelobten Land“ des Private Equity angekommen sind, läuft es dort anders als erwartet. Ups – es fallen genauso viele Überstunden an wie bei der „Big Bank of the Universe“ oder der „Boutique Bank of M&A“, und es wird Jahre dauern, Jahre die aus Überstunden, Grundgehalt und Bonus bestehen, bis es auch nur eine leise Aussicht auf eine Kapitalbeteiligung in Form von Carried Interest gibt.

Was bleibt einem übrig, wenn man sich für die „Exit-Option“ entschieden hat, dann aber auch aus dieser aussteigen will? Noch vor Corona habe ich einen jungen Mann kennengelernt, der eine renommierte Prep School in New England abgeschlossen, an einer Ivy-League-Universität studiert hatte und fast zu Olympia gefahren wäre und der nach zwei Jahren bei Goldman Sachs zu einer der großen vier US-Private-Equity-Firmen (KKR, Apollo, Blackstone und Carlyle) gewechselt war. Den Job im Private Equity hängte er schon nach einem Jahr wieder an den Nagel, weil er genau so viel arbeiten musste, nicht mehr Zeit zum Leben hatte und obendrein auch keine Beteiligung an Deals erhielt.

Vielleicht hätte er sich von vornherein keine Hoffnung auf Carried Interest machen sollen. Gleichzeitig erlebte er, was sein Arbeitgeber an einem von ihm begleiteten Deal verdiente (über den gesamten Zeitraum, in der das Unternehmen gehalten wird, können das durchaus 400 Millionen Dollar sein) und verglich das mit den paar Hunderttausend Dollar, die er im Jahr verdiente und hatte das Gefühl, sich unter Wert zu verkaufen.

Nach rund einem Jahr verließ er das Unternehmen und widmete sich dem Verkauf von Immobilien und verdient außerdem Geld damit, dass er Unternehmen mit von MBA-Absolventen geführten PE- oder VC-StartUps zusammenbringt (hierfür erhält er sogenannte „Finder`s Fees“). Ich weiß nicht, wie es ihm in der Corona-Zeit ging, aber er dürfte besser gefahren sein als mit dem mühsamen Erklimmen der Karriereleiter im Private Equity.

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