Big Four: „Unsere Arbeitszeiten sind wie im Front Office, aber verdienen tun wir wie im Back Office“

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Big Four: „Unsere Arbeitszeiten sind wie im Front Office, aber verdienen tun wir wie im Back Office“

Ich arbeite im Bankenberatungsteam bei einem Big Four-Unternehmen in London. Mein Studium habe ich vor sieben Jahren abgeschlossen und ich arbeite jetzt als Manager. Mein Gehalt beträgt aktuell 75.000 Pfund (87.000 Euro).

Um ehrlich zu sein, lauere ich auf die richtige Gelegenheit zum Absprung. Wir alle hier haben die Gehaltssteigerungen für Junior-Banker mitverfolgt und es ist klar, dass unsere eigenen Gehälter immer weiter zurückfallen. Bei uns bekommen Leute direkt nach dem Studium (ein bis zwei Jahre nach Uni-Abschluss) ca. 28.000 bis 32.000 Pfund (33.000 bis 37.000 Euro), unsere Senior Consultants (zwei bis fünf 5 Jahre Berufserfahrung) erhalten 38.000 bis 45.000 Pfund (44.000 bis 52.000 Euro), unsere Manager (fünf bis acht Jahre Berufserfahrung) erhalten 60.000 bis 75.000 Pfund (70.000 bis 87.000 Euro). Nur Senior Manager mit mehr als acht Jahren Erfahrung kommen langsam an Jahresgehälter von 100.000 Pfund (116.000 Euro) heran. Die Boni sind minimal.

Wenn man sieht, dass manche Banken Leuten, die direkt von der Uni kommen, 70.000 Pfund (81.000 Euro) Jahresgehalt plus Bonus anbieten, ist das frustrierend. Es ist wenig überraschend, dass dieses Jahr viele aus unserem Team zu Banken gewechselt sind. Zwar wurde uns eine Gehaltserhöhung angekündigt, doch davon ist bisher nichts zu sehen.

Bei den Big Four zu arbeiten, hat immer Sinn gemacht, aber sie büßen immer mehr an Attraktivität ein. Ein Problem sind die Überstunden: Die Arbeitszeiten sind wie im Front Office im Banking, die Bezahlung allerdings nur wie im Back Office. Bei mir persönlich sind nie weniger als 11 bis 14 Stunden pro Tag. Theoretisch kann man auch weniger arbeiten, aber dann gibt es keine Chance, befördert zu werden. Neben dem Tagesgeschäft muss man an Initiativen oder konzernweiten Kampagnen mitarbeiten – das sind in der Regel mindestens zwei Stunden Arbeit zusätzlich. Wenn man hier nicht mitmacht, schwinden die Aussichten auf eine Beförderung.

Aufgewogen wurde das immer dadurch, dass die Arbeit hier interessant sein kann, dass man die Möglichkeit hat, sich Soft Skills anzueignen, die einem den Weg zum Aufstieg ebnen und man irgendwann „Partner“ werden kann.

Das ist jetzt alles anders. Die Organisationsstrukturen der „Big Four“ sind in die Jahre gekommen und der Weg zur Partnerschaft ist jetzt viel stärker prozessorientiert. Wer hier etwa zum Senior Manager aufsteigen will, muss in der Regel an einem langen Business Case arbeiten. Selbst wenn man dann befördert wird, kratzt man gerade mal am unteren Rand dessen, was ein Junior Associate in einer Bank verdient – und Associates in Banken werden praktisch jedes Jahr befördert.

Das alles trägt bei zu einer weit verbreiteten Unzufriedenheit. Es spricht viel weniger für die Big Four als früher. Ich habe nicht vor, hier zu bleiben – und die meisten meiner Kollegen sehen das genauso. Ich kenne Leute, die zeitgleich mit mir ins Berufsleben gestartet sind und eine Stelle im Front-Office-Bankwesen angetreten haben und mittlerweile 200.000 Pfund verdienen und fast dasselbe noch mal als Bonus kriegen. Für die Big Four zu arbeiten, ist schön und gut, aber das Versprechen auf „Kundenkontakt und eine interessante Karriere“ allein zahlt einem nicht die Miete.

Ronan Smith ist ein Pseudonym.

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