Die unauffällige Anwesenheit des Deutsche-Bank-CEOs in Meetings
Der Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing, wirkt bescheidener als viele seiner Kollegen. Er hat mit 19 Jahren als Auszubildender im Unternehmen begonnen und dann wenig glamouröse Abteilungen wie das Risikomanagement und das Firmenkundengeschäft durchlaufen, hat aber nicht das Ego eines Investmentbanking-Rainmakers. Das Wall Street Journal (WSJ) bezeichnet ihn als bodenständig. Er mag Spieleabende und besetzt Schlüsselpositionen mit Leuten, die ähnlich unauffällig sind wie er.
Einer dieser Leute ist Fabrizio Campelli, ehemaliger McKinsey-Berater, der bei der Deutschen Bank das Investmentbanking leitet und sehr Methoden-getrieben agiert. Als er 2019 mit der Umstrukturierung der Bank beauftragt wurde, präsentierte Campelli laut dem WSJ in Meetings Tabellen mit 70 Initiativen inklusive Angaben zu den jeweils Verantwortlichen und dem aktuellen Projektfortschritt.
Ein anderes Beispiel ist Rebecca Short, die ihr gesamtes Berufsleben bei der Deutschen Bank verbracht hat und die Sewing im Juni zur Chief Operating Officer ernannt hat. Sie soll nun unternehmensweit Kosten abbauen. Mit ihrer Forderung, die Mitarbeitenden der Deutschen Bank sollten drei Tage pro Woche ins Büro kommen (Managing Directors sogar vier Tage) riskiert Short, sich unbeliebt zu machen – auch wenn das im Vergleich zu den fünf Tagen Büropräsenz bei JPMorgan noch sehr milde wirkt.
Sewings unauffällige, aber wachsame Präsenz scheint sich auch in seiner Meeting-Teilnahme niederzuschlagen. Das WSJ berichtet, er sei bekannt dafür, lautlos und unerwartet aufzutauchen, sich an die Wand zu lehnen und zuzuhören.
Auf diese Weise scheint Sewing die großen Bestien bei der Deutschen Bank gezähmt zu haben. Es scheint sich zu bewähren, dass er sich nicht auf das Investmentbanking, sondern das Firmenkundengeschäft konzentriert und auf lokale Kunden statt globaler Giganten setzt. Unter Sewing sind bei der Deutschen Bank automatisierte Steuerberichte wichtiger als automatisierte Trading-Systeme. Sein Schwerpunkt liegt auf Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand. Er geht zu Veranstaltungen und es ist gut vorstellbar, ihn auf einem Schulfest in Bayern anzutreffen. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel soll überrascht gewesen sein von Sewings zurückhaltendem Auftreten.
Abgesehen vom Aktienkurs scheint das aber gut zu funktionieren. Die Deutsche Bank hat die Turbulenzen um den Zusammenbruch der Credit Suisse überstanden – und Sewing hat Fans. „Wir halten ihn für einen der am meisten unterschätzten Manager eines globalen Finanzunternehmens“, erklärt ein großer Investor gegenüber dem WSJ. Ein bisschen Bescheidenheit kann viel bewirken.
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