2026 ist für einige im Banking super – aber nur, wenn man nicht gerade auf Jobsuche ist
Ist es das beste Jahr aller Zeiten – oder das schlimmste? US-Banken von Goldman Sachs über JPMorgan und Bank of America bis hin zu Citi haben diese Woche Q1-Ergebnisse vorgelegt – und die können sich sehen lassen.
Insbesondere die Handelsgeschäfte verzeichneten ein Ausnahmequartal. In den Worten von JPMorgan-CFO Jeremy Barnum war die jüngste Volatilität nicht gekennzeichnet von „extrem sprunghaften, diskontinuierlichen Märkten und geringer Liquidität, die Kunden an der Seitenlinie hält“. Vielmehr handelte es sich, so sein CEO, um die gute Art von Volatilität, die „deutlich mehr Handelsvolumen“ fördert. Die Spreads sind breiter, die Umsätze größer. Die Erträge im Aktienhandel profitierten deutlich; die Prime-Brokerage-Bestände schossen in die Höhe, Hedgefonds weiteten ihre Aktivitäten aus.
Selbst Investmentbanker im Dealgeschäft konnten sich über Rückenwind freuen. Die M&A-Einnahmen stiegen im ersten Quartal bei Goldman Sachs um fast 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bei JPMorgan um mehr als 80 Prozent. Barnum erklärte, dass Fusionen und Übernahmen von einer „beschleunigten Abwicklung“ profitierten, die auf „schneller als erwartete regulatorische Genehmigungen“ zurückzuführen sei. Morgan Stanley teilte heute mit, dass geringere Kapitalanforderungen die Handelsumsätze erhöht hätten. Die US-Regierung hat also doch für etwas Gutes gesorgt.
Höhere Einnahmen bedeuten höhere Gehälter. JPMorgan, Citi und Goldman Sachs haben ihre Ausgaben für Mitarbeitervergütungen im ersten Quartal erhöht – ein positives Signal für die Bonuszahlungen.
Doch drei Monate sind kein ganzes Jahr. Selbst die optimistischsten Bankmanager räumten ein, dass der Krieg im Nahen Osten seine Spuren hinterlassen könnte. Derzeit gingen die Kunden jedoch weiterhin davon aus, dass sich die Situation rasch beruhigen werde, sagte Barnum. „Sollten die Entwicklungen aus dem Ruder laufen, wäre ich überrascht, wenn sich dies nicht auf die Stimmung und die Entscheidungsfindung bei Transaktionen auswirken würde“, so seine Einschätzung.
Mit Unsicherheit kommt Vorsicht – und mit Vorsicht ein strenger Blick auf die Kosten. Wie wir bereits zu Beginn dieser Woche berichteten, erzielte Goldman Sachs sein Rekordquartal mit 400 Mitarbeitern weniger als noch Ende 2025. Citi strich im ersten Quartal 2.000 Stellen, darunter offenbar viele hochbezahlte Positionen. Weitere Kürzungen stehen bevor. Berichtenzufolge plant Goldman Sachs, im Laufe des Jahres 2026 in mehreren Wellen Stellen abzubauen, um eine Effizienzquote von 60 Prozent zu erreichen (im ersten Quartal lag diese bei 60,5 Prozent). Citi-CFO Gonzalo Luchetti erklärte gestern, die Bank rechne damit, das Jahr 2026 erneut mit einem kleineren Personalbestand abzuschließen. Künstliche Intelligenz werde die Effizienz „turboaufladen“, sagte Luchetti. Das Mantra ist überall dasselbe.
All dies bedeutet, dass einige Front-Office-Banker und Trader zwar ein tolles Quartal hinter sich haben, neue Stellen jedoch weiterhin schwer zu finden sind. „Es ist brutal, wenn man derzeit auf Jobsuche ist“, sagt ein Londoner Headhunter.
„Die Banken erzielen Hunderte Millionen an Gewinnen, bauen aber gleichzeitig ständig Hunderte Stellen ab“, berichtet der Personalberater. „Es werden nicht nur Randpositionen gestrichen; betroffen sind häufig erfahrene Männer und Frauen, leistungsstarke Fachkräfte, Senior-Banker mit langjähriger Erfolgsbilanz sowie Mitarbeitende auf den mittleren Ebenen, die den Betrieb am Laufen halten. Ganze Teams werden verkleinert oder neu strukturiert. Es geht dabei nicht um Leistung.“
Wer einmal entlassen wurde, hat es schwer, wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen. Der Einstellungsprozess sei so komplex geworden, dass eine Rückkehr nahezu unmöglich sei. „Alles läuft durch mehrere Ebenen und Prozesse, die Roboter, ATS-Filter, Screening-Kriterien und interne Talent-Teams einbeziehen.
Die meisten Bewerber werden automatisch abgelehnt – selbst dann, wenn sie wirklich gut sind.“
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