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HSBC schließt M&A- und ECM-Geschäft außerhalb Asiens und löst damit Schockwellen aus: „Es ist verrückt“

Im November letzten Jahres forderte die HSBC ihre Senior Banker dazu auf, sich erneut um ihre Stellen zu bewerben. Dann erklärte die HSBC, man erwäge „einen durchdachten Stellenabbau“. Dann wurde verkündet, dass 40 Prozent aller Stellen auf der Führungsebene wegfallen – und dann wurde unerwartet im Sales und Trading gekürzt. Jetzt sieht es so aus, als ob die Bank große Teile ihres Investmentbankengeschäfts in Großbritannien, der EU und USA aufgibt und sich auf Asien und den Nahen Osten konzentriert 

Bloomberg berichtete heute, dass die Bank ihren Beschäftigten ein Informationsschreiben geschickt habe, in dem es heißt „Wir werden uns weiterhin auf M&A sowie auf die Aktienmärkte in Asien und im Nahen Osten konzentrieren und planen, dieses Geschäft in Europa, Großbritannien und Amerika abzubauen.“ Ein Sprecher der Bank fügte hinzu, dass die Veränderungen Teil einer „Review“ des Investmentbanking-Geschäfts seien und dass die Schließung der Geschäftsbereiche „unter Berücksichtigung der rechtlichen Anforderungen vor Ort“ erfolgt.

Unter der Hand berichten Beschäftigte der Bank, dass die Nachricht vollkommen überraschend gekommen sei. „Wir hatten ein gutes Jahr“, sagte ein Banker in London, „das ist verrückt“. Ein anderer merkte an, dass ein „massiver Stellenabbau“ in den HSBC-Sektorteams bevorzustehen scheint. „Selbst die Senior Managing Directors haben erst vor ein paar Tagen davon erfahren“, so ein Londoner VP. „Ich habe es erst heute Morgen erfahren.“ Junior Banker bei HSBC sagen, auch sie seien überrumpelt worden.

Insider berichten, dass bei HSBC eine Mitarbeiterversammlung einberufen wurde, um die Nachricht zu erläutern. Ein Insider der Bank sagte, dass die Geschäftsbereiche nicht sofort abgewickelt werden, sondern dass alle weiterhin an ihren Mandaten arbeiten und ihre Kunden betreuen. „Es ist alles wie vorher. Nichts wird sofort passieren.“

Im schlimmsten anzunehmenden Fall werden nach der Schließung von Geschäftsstellen der Zugang gesperrt und Mitarbeitende können nicht mehr zu ihren Büros gelangen. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist die Entlassung von Fixed-Income-Tradern 2012 bei der UBS. Wenn allerdings erst noch Deals abgeschlossen werden müssen, ist eine sofortige Schließung schwierig.

Eine Anfrage, wie viele Angestellte infolge Kürzungen im M&A- und ECM-Geschäft in Europa und den USA ihre Stelle verlieren, ließ die HSBC unbeantwortet. Die Bank hat weltweit rund 220.000 Beschäftigte und es gibt Hinweise darauf, dass die Kürzungen bis in die Zehntausende gehen könnten. Headhunter berichten, dass sie schon seit einiger Zeit Lebensläufe aus den Reigen der Bank erhalten, dass aber viele Mitarbeitende nur schwer anderweitig zu vermitteln sind. 

Das Marktforschungsunternehmen Tricumen hat festgestellt, dass der Pro-Kopf-Umsatz von HSBC-Banker in den ersten neun Monaten des Jahres 2024 weltweit mit am niedrigsten waren. Einzig bei der Deutschen Bank lagen diese noch niedriger

Während HSBC-Banker:innen in London, Europa und den USA gefährdet sind, können sich jene im asiatisch-pazifischen Raum freuen. Das nordamerikanische Global Banking and Markets-Geschäft von HSBC erzielte in den drei Quartalen bis Oktober 2024 einen Gewinn von nur 3 Millionen Dollar. Das nicht abgesicherte britische globale Bank- und Marktgeschäft erzielte einen Gewinn von 442 Mio. Dollar. Das in Hongkong ansässige Geschäft fuhr 443 Mio. Dollar Gewinn ein. 

HSBC hat nicht vor, das Aktienhandelsgeschäft zu schließen, aber ohne ein ECM-Geschäft in Europa und den USA wäre vorstellbar, dass das Aktienhandelsgeschäft der HSBC in beiden Regionen aufgegeben wird. „Sie sind erledigt“, sagt ein Headhunter.

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin

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