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„Mein Ehemann, der auch Banker ist, kann viel besser Grenzen setzen als ich damals“

Mandy Lehto war früher im Banking, was kein gutes Ende nahm. Lehto hatte an der Universität Cambridge promoviert und war vor der Finanzkrise einige Jahre lang Director of Fixed Income Sales bei einer europäischen Bank in London. Sie hatte zwei kleine Kinder, bekam einen Burnout und war in einem Fitnessstudio zusammengebrochen. Der  Times berichtete sie, dass sie ein Jahr gebraucht hat, um wieder auf die Beine zu kommen. Einen Großteil dieser Zeit verbrachte sie im Bett liegend.

Über zehn Jahre später hat Lehto sich aus dem Bankgeschäft zurückgezogen und eine neue Karriere als Führungskräfte-Coach eingeschlagen. Ihr Ehemann hingegen arbeitet immer noch im Finanzbereich und ist sehr erfolgreich. Lehto sagt, dass er sehr viel besser als sie darin sei, bei der Arbeit Grenzen zu setzen.

„Mein Mann arbeitet in der Londoner City und hat lange Arbeitszeiten, zieht aber klare Grenzen“, sagt Lehto. „Er identifiziert sich nicht mit dem, was er tut und wird nicht völlig von seiner Karriere vereinnahmt.“ Wie sieht das in der Praxis aus? „Er hat auch Interessen außerhalb der Arbeit. Er liest Bücher und hört Podcasts, die nichts mit seiner Arbeit zu tun haben.“ Es ist eine Strategie, die auch andere Männer in der Branche verfolgen. Brian Robinson, Partner bei Goldman Sachs, hat beschrieben, dass er sich trotz seiner 12-Stunden-Tage immer Zeit für Sport und die Natur nimmt und sich auf dem Heimweg auf „Vögel und Bäume“ konzentriert.

Tatsächlich gibt es einige Frauen in Führungspositionen im Finanzwesen, die hiermit zu kämpfen haben. Lucy Puttergill, ehemalige VP bei J.P.Morgan, die heute zahlreiche Bankerinnen coacht, sagt, dass sich viele ihrer Klientinnen zu sehr mit ihrem Job identifizieren, insbesondere wenn sie alleinstehend sind. Frauen zwischen 30 und 50 neigen dazu, sich hinter ihren anspruchsvollen Jobs zu „verstecken“, um damit Defizite zu kompensieren, die es in ihrem Leben außerhalb der Arbeit gibt, sagt Puttergill. Dadurch werden Probleme aber nur auf später verschoben.

Das Konzept des „Burnouts“ sei real, werde aber laut Puttergill zu leichtfertig verwendet. Ein echter Burnout sei kein vorübergehender Drang, lieber Netflix zu schauen als arbeiten zu gehen, sondern eine Phase des Zusammenbruchs, wie sie Lehto erlebt hat. „Menschen mit Burnout können monatelang im Bett liegen“, sagt sie. „Es geht mit Depressionen einher und es ist fast so, als ob der Körper ‚Stopp!‘ sagt. Die Symptome sind körperlich.“

Weder Männer noch Frauen im Banking wollen es soweit kommen lassen und sowohl Puttergill als auch Lehto stellen klar, wie sich ein Burnout vermeiden lässt: Grenzen setzen und sich selbst nicht allein über die Arbeit definieren.

„Im Banking tendiert man dazu, zu viel zu geben und sich selbst zu überfordern“, meint Puttergill. „Ich höre oft von Leuten, dass sie darüber nachdenken, die Branche komplett zu verlassen, aber dann kommen wir in der gemeinsamen Arbeit an einen Punkt, an dem sie Grenzen setzen und sich so davor schützen können, zu viel zu arbeiten.“

Um diese Grenzen setzen zu können, braucht es ein Umdenken. Die externe Bestätigung durch die Arbeit füllt eine Lücke im eigenen Ich, sagt Lehto. Leute im Banking neigen dazu, „Overachiever“ zu sein oder „zu viel zu geben“, und dies entspringt der Unsicherheit und dem Bedürfnis, sich unentbehrlich zu machen, indem man sich selbst vollkommen „aufreibt“. Wer das nicht tut, sei Realist, sagt sie: „Realisten machen sich nicht vor, dass sie unersetzlich sind. Sie wissen, dass sie eine Aufgabe haben, es in ihrem Leben aber auch anderes gibt.“

Kommt es bei Frauen eher vor, dass sie sich aufreiben und sind Männer eher Realisten? Vermutlich ja. 2015 kam eine Studie zu Männern und Frauen bei einer großen Strategie-Beratung zum Ergebnis, dass Männer eher bereit sind, zu mogeln, um mehr Freizeit zu haben. „Viele Männer nutzen unauffällige, unbemerkte Wege, um die Struktur ihrer Arbeit zu verändern“, so der Autor der Studie. Während Beraterinnen versuchen, die von ihnen erwarteten 80 Stunden pro Woche zu arbeiten, daran irgendwann scheitern und schließlich um leichtere Aufgaben bitten, finden männliche Berater Umwege, damit es so aussieht, als würde sie lange arbeiten, während sie tatsächlich aber nur lockere 50 bis 60 Stunden pro Woche leisten. Ein berühmtes Beispiel wäre hier der erfahrene männliche Consultant, der eine Woche lang Skifahren war, das aber als Arbeitszeit deklarierte, weil er morgens und abends Kundenanrufe entgegennahm.

Lehtos Ehemann ist da anders. Ihr ist es wichtig, zu betonen, dass er zwar viel arbeite, sich aber auch „um sich kümmert“. Er macht Mittagspause, geht ins Fitnessstudio. „Es geht um die tröpfchenweisen Mikrogewohnheiten, die einen erhalten und nähren“, sagt sie. „Es geht nicht darum, zu faulenzen, sondern darum, Grenzen zu setzen und einen Raum zu schaffen, der es einem ermöglicht, sich von der Arbeit zu lösen. Man darf nicht zulassen, dass sie den gesamten Tag einnimmt und alles verdrängt, was einem Kraft gibt.“

Frauen (und Männer) im Banking müssen Selbstfürsorge praktizieren. Als Lehto ihren Burnout hatte, blieb alles an ihrem Mann hängen. „Mein Mann hat in der City gearbeitet, kam dann nach Hause, machte Abendessen und steckte die Kinder in die Badewanne“, sagte sie der Times. „Aber auch das lässt sich nicht ewig durchhalten – vor allem nicht, wenn die Genesung so lange dauert wie es bei mir der Fall war.“

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz

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