„Ich bin M&A-MD bei einer US-Bank – dank dieser vier Tricks bin ich nach dem Praktikum übernommen worden“
Wer diesen Sommer Praktikum im Investmentbanking macht, dem wünsche ich viel Erfolg – denn allein harte Arbeit reicht nicht aus, um am Ende ein Übernahmeangebot zu bekommen. In den meisten Jahren erhalten weniger als 50 Prozent der Praktikant:innen ein entsprechendes Angebot. Dieses Jahr dürfte die Quote noch niedriger liegen.
Ich arbeite seit über zehn Jahren im M&A-Bereich bei US-Investmentbanken und bin heute Managing Director. Aber beinahe hätte meine Karriere schon beim Praktikum geendet – hätte mir nicht ein Mentor entscheidende Tipps gegeben.
Meine Familie hat keinen Bezug zur Finanzbranche. Als ich ins Praktikum gestartet bin, wusste ich relativ wenig über Banking und war unsicher, wie man sich in einem beruflichen Umfeld verhält. Mein Vater war Busfahrer, meine Mutter Krankenschwester – sie hat sich die Ausbildung durch Nachtschichten finanziert und gleichzeitig fünf Kinder großgezogen.
Als ich Interesse an einer Karriere in der Finanzbranche entwickelte, schrieb ich unzählige E-Mails an verschiedene Banker:innen. Nur eine davon antwortete – und wurde meine erste Mentorin. Sie half mir, an eine Business School zu kommen und später an ein Praktikum in der Bank, bei der sie selbst Managing Director war.
Ich kam mit der Haltung in die Bank, mit der ich aufgewachsen war: Respekt vor Autoritäten, Kopf runter, hart arbeiten, keine Fragen stellen. Ich dachte, so verhält man sich professionell. In Wahrheit war genau das ein großes Problem. In der Bankenwelt wird Eigeninitiative erwartet. Wer Fragen stellt, zeigt Interesse. Wer sich nur still durchkämpft, fällt durch.
Zum Glück erkannte meine Mentorin mein Fehlverhalten frühzeitig – nach dem Midterm Review nahm sie mich beiseite und sagte ganz offen, dass ich Gefahr lief, kein Übernahme-Angebot zu bekommen. Ich war schockiert – ich dachte, ich hätte mich gut geschlagen!
In Wahrheit machte ich grundlegende Fehler: Ich machte Feierabend, bevor meine Vorgesetzten gingen. Ich holte kein Feedback ein. Ich verpasste die Chance, mich intern zu vernetzen.
Dann gab mir meine Mentorin vier ganz konkrete Tipp, die alles verändert haben:
- Nach Feedback fragen – sofort. Jedes Mal, wenn ich eine Aufgabe abgeschlossen hatte, sollte ich direkt nach Rückmeldung fragen. Nicht Tage später – sofort.
- Informelles Feedback suchen. Nicht nur bei Projekten, sondern auch bei kleineren Aufgaben: Rückfragen stellen, offen sein für Kritik.
- Kaffee-Verabredungen organisieren. Ich sollte aktiv Gespräche mit Associates, Directors und MDs führen – nicht nur im eigenen Team, sondern auch teamübergreifend. Das zeige Interesse und schaffe Sichtbarkeit.
- Begeisterung zeigen. Ich sollte klar und glaubhaft vermitteln, dass ich die Zeit im Praktikum genieße und gerne langfristig Teil des Teams wäre.
Für den letzten Punkt gab sie mir sogar einen konkreten Ratschlag: Beim Team-Event sollte ich gezielt auf den Gruppenleiter zugehen und ihm sagen, wie sehr mir das Praktikum gefallen hat, dass ich dankbar für die Chance bin – und dass ich sehr gerne zurückkommen würde, wenn man mich wolle.
Ich habe alles genauso umgesetzt – und es hat funktioniert. Am Ende des Praktikums bekam ich das Übernahmeangebot. Mein Betreuer sagte nur: „Ich weiß nicht, was passiert ist – aber du hast dich um 180 Grad gedreht.“
Ich habe all das meiner Mentorin zu verdanken. Sie war für mich wie eine gute Fee.
Ihren Rat von damals gebe ich heute weiter – an all jene Praktikant:innen, die vielleicht noch nicht perfekt ins System passen, aber bereit sind, zu lernen. Es gibt eine Technik, wie man aus dem Praktikum eine feste Stelle macht. Nutzt sie.
Jarmal Lloyd ist ein Pseudonym. Der Autor ist Managing Director im M&A in New York.
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