Der ehemalige Leiter des deutschen ECM bei UBS erklärt, wie man innerhalb von neun Jahren zum MD aufsteigt
Wer 25 Jahre im Banking verbracht und das Equity Capital Markets-Geschäft für Deutschland und Österreich bei UBS geleitet hat, kann sich auch einmal eine Auszeit gönnen. Armin Heuberger zieht es in die Berge – für ihn seine Art, Achtsamkeit zu praktizieren. Doch ganz loslassen kann er nicht: Er ist weiter aktiv und gibt der nächsten Generation im Banking Ratschläge.
Im April 2024 war Heuberger bei der UBS gegangen. Im Februar 2025 hatte er „SuperAnalyst“ gelauncht, ein von ihm beschriebenes KI-Co-Pilot-Tool zur Unterstützung von Mid-Market Corporate Finance-Boutiquen. „Wir wollen die Arbeitsschritte von Corporate Finance-Analysten mit drei bis sechs Jahren Berufserfahrung ergänzen und effizienter gestalten“, erklärt Heuberger. SuperAnalyst beinhaltet einen sogenannten „Origination Agent“, der relevante News für Transaktionen identifiziert und Kundenlisten für Key Accounts zusammenstellt.
SuperAnalyst ist eines von vielen Tools, die versuchen, die Arbeit von Junior Bankern zu automatisieren. Heuberger ist jedoch überzeugt, dass sein Produkt der Konkurrenz überlegen ist. Der Grund: SuperAnalyst wurde von Bankern für Banker entwickelt und versteht dadurch die branchenspezifischen Feinheiten, die vielen anderen KI-Lösungen fehlen. Ziel ist es, repetitive Prozesse in Mid-Market-Corporate-Finance-Boutiquen, bei Private Equity und Family Offices effizienter abzuwickeln. „Was für die Sell-Side relevant ist, muss nicht zwingend auch für die Buy-Side gelten – und SuperAnalyst versteht das“, so Heuberger.
Man könnte meinen, dass Junior Banker dank solcher Tools ebenfalls mehr Zeit in den Bergen verbringen könnten – allerdings ohne die Boni eines langjährigen MDs. Doch Heuberger stellt klar: KI wird die Arbeit der Juniors ergänzen, nicht ersetzen. Im Gegenteil: Die Produktivität werde steigen. „Man kann an mehr Deals gleichzeitig arbeiten und seine Fähigkeiten dadurch schneller ausbauen. Wer statt an zwei an vier Deals gleichzeitig arbeitet, sammelt doppelt so viel Erfahrung.“
Das klingt zunächst so, als würden künftig weniger Junior Banker benötigt. Heuberger sieht das anders: Bei UBS bevorzugte er Mitarbeiter:innen mit praktischer Deal-Erfahrung: „Wenn ich die Wahl zwischen zwei Analysts hatte – einer mit Top-Noten und nur einem abgeschlossenen Deal und einer mit durchschnittlichen Noten, aber zehn abgeschlossenen Deals – habe ich immer den mit mehr praktischer Erfahrung genommen.“
Heubergers These: Weil KI den Juniors ermöglicht, deutlich mehr Deals parallel zu begleiten, steigen sowohl ihre Employability als auch die Geschwindigkeit der Karriereentwicklung.
„Im Corporate Finance gibt es typischerweise einen dreijährigen Beförderungszyklus“, erklärt er. „Drei Jahre als Analyst, drei als Associate, drei als Vice President, drei als Executive Director oder Director – danach folgt der Managing Director (MD).“
Normalerweise dauert es somit rund 12 Jahre bis zum Erreichen des MD-Titels. Doch es geht auch schneller: „In einem Bullenmarkt, in dem sehr viele Deals laufen, schafft man es auch in neun Jahren“, sagt Heuberger. Sollte KI künftig ein Arbeiten an mehrfacher Deal-Zahl ermöglichen, könnte die Neun-Jahres-Perspektive zum neuen Standard werden.
Junior Banker sollten sich also aktiv mit KI-Tools auseinandersetzen, um ihre Produktivität zu steigern und parallel an einer Vielzahl von Transaktionen zu arbeiten. Doch was, wenn der Markt einmal keine Deals bietet? In solchen Phasen empfiehlt Heuberger, Risiken einzugehen und innerhalb des Corporate Finance dorthin zu wechseln, wo tatsächlich Transaktionen stattfinden. In seiner eigenen Karriere wechselte er nach New York, verließ das ECM Syndicate und wechselte in die Bereiche Corporate Derivatives und M&A. „Ich habe bewusst verschiedene Abteilungen durchlaufen, um mir einen breiteren Werkzeugkasten zuzulegen. Später habe ich auch immer darauf geachtet, dass meine Juniors Erfahrungen in ECM, DCM, M&A und Private Capital Markets sammeln konnten.“
Natürlich kann dieser Ansatz riskant sein, wenn Vorgesetzte einen Wechselwunsch als Illoyalität deuten. Doch Heuberger ist überzeugt, dass es sich früh in der Karriere fast immer lohnt, dem Dealflow zu folgen. „Als Junior sollte man die Faktoren kontrollieren, die beeinflussbar sind – und dazu gehört der Aufbau eines breiten Deal-Portfolios. Mein damaliger Chef sagte mir, dass er mich nach dem Wechsel nicht mehr schützen könne, doch mir war der breite Erfahrungsschatz wichtiger als die Spezialisierung auf nur ein Produkt. Produkte unterliegen Zyklen – langfristig zahlt sich breite Aufstellung deutlich besser aus.“
Durch die Wechsel zwischen produktiven Teams lässt sich auch der Weg zum MD verkürzen. Viele Banken arbeiten mit Prozessen, die an das „Cross-ruffing“- Modell von Goldman Sachs erinnern: Dabei geben zahlreiche Führungskräfte Empfehlungen für mögliche MD-Beförderungen ab. Je mehr Bereiche man durchlaufen und je mehr Kollegen man überzeugt hat, desto besser stehen die Chancen.
„Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen“, sagt Heuberger auf dem Rückweg aus den Bergen.
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